Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 63)
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Es fiheint nun, daß dies Gedankengänge find, auf die uns Hillel (nach dem Talmud Schabbat 31 a) hinweifen will. Er erfüllte den Wunfch des Heiden und lehrte ihn die ganze Thora in kürzefter Zeit, er tagte ״ דעלך פני לחברך לא תעבידWas dir mißfällt, tue deinem Nächften nicht an", das ift die ganze Thora. מהרש״א z. St. wirft die Frage auf: Hilleis Ausfpruch ift doch wohl gleichbedeutend mit dem Thorafatz ואהבת לרעך כמוך. Warum drückt Hillel diefen Gedanken im Gbgenfatz zur Thora negativ aus? מהרש״א erklärt dies mit dem Hinweis, daß auch die Thora eine negative Formulierung gewählt hat, da fie (unmittelbar vorher) tagt: ״ לא תקם ולא תמר את בני עמךDu follft dich nicht rächen, du follft nicht nachtragen den Söhnen deines Volkes". Es find aber noch folgende Fragen zu beantworten: 1. Warum wählt die Thora auch die pofitive Formulierung, indem fie den Satz fchließt mit 2 .ואהבת לרעך כמוך. Ift diefer Satzteil wichtig, warum bringt ihn nicht auch Hillel? 3. Und er fcheint fehr wichtig zu fein, ja er ift der Grundgedanke des Paßuk, da diefe Mizwa als מצות עשה gilt. 4. Wenn Hillel ialfächlidh die ganze Thora kurz zufammenfaffen wollte, dann hätte er beffer die allgemein gehaltene Formulierung des ואהבת לרעך כמוך wählen follen ftait des auf wenige Fälle befchränkten ...5 .לא תקם ולא תטר. Nach der gewöhnlichen Erklärung bedarf es des Nachweifes, inwiefern in אהבת ריע auch die מצות בין אדם למקום eingefchloffen find. Diefe Schwierigkeiten werden wohl behoben fein, wenn wir annehmen, daß der Grundgedanke des Gefetzes iaifächlich ein pofitiver ift und daß der Anfang des Satzes uns nur fagen foll, auf welchem Weg wir uns dazu erziehen, das fchwierige Gebot von אהבת ריע zu erfüllen. (Der zweite Teil des Satzes ift die Folge des erften). ״Du follft dich nicht rächen, du follft nicht nachtragen den Söhnen deines Volkes, dann wirft du deinen Nächften lieben wie dich felbft". Die Thora fordert von uns Menfchenliebe. Sie gebietet aber nichts, ohne den Weg zur Erfüllung zu weifen. Und fie weift ihn: Liebes tat führt zu Liebes gefü hl. ״Handle fo, wie wenn du lieben würdeft, und du wirft lieben". An einem markanten Beifpiel wird uns diefe Pflicht und der Weg, der zu ihrer Erfüllung führt, veranfchaulicht: Geftern verweigerte dir ״ein Sohn deines Volkes" eine Liebestat; heute verlangt er von dir die gleiche. Dein innerftes Gefühl bäumt fich dagegen auf; Gedanken der Rache und des Nachtragens erfüllen dich. Du willft ihm wenigftens fagen, daß du beffer handelft als er. Auch dies darfft du nicht. In reinfter Form mußt du Liebestat