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Nahalat tsevi · 1937-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1937) · p. Seite 148

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 4-6 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 148 (sequence 62)
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148 fchätzen. Aber wenn es auch nur wenige find, mag es auch nur einer fein, wir müffen ihm führend zur Seife flehen. Welches ift nun die fchwerfte Hemmung, die jene Menfchen und wir für fie zu überwinden haben? Es iß nicht immer und nicht fo fehr die Schwierigkeit des religiöfen Tatlebens als folche. Es ift auch nicht der Mangel an geiftigem Verfländnis für die Mizwot - die Werke von Rabbiner Hirfch bewähren fich auch für diefe Kreife und für diefe Generation als erfolgreiche Weg weiter —. Der ernfte Wille lieht hier keine wirklichen Hinderniffe. Nur eines mangelt diefen Menfchen, wie fie felbft fagen: das religiöfeGefühl. Und ohne diefes fühlen fie lieh unficher, halten fie lieh für unfähig, ja unwürdig, in den Bereich des jüdifchen Gefetzeslebens und in den Kreis der Frommen einzutreten. Verfländnis haben fie für die bekannte Deutung des נעשה ונשמע : Erft durch die Tat kann das geiftige Verfländnis erfchloffen werden; Religion ift nicht Philofophie, fondern Leben, und dies kann erft im Leben felbft erfaßt werden. Aber ohne das religiöfe Gefühl religiöfe Handlungen zu vollziehen, dagegen haben fie eine innere Hemmung. Auch ein Hinweis auf מתוך שלא לשמה בא לשמה kann fie nicht fo ohne weiteres überzeugen; vielleicht deshalb, weil ihnen eben — das religiöfe Gefühl fehlt. Was antworten wir nun diefen fliehenden und opferbereiten Menfchen? Das Gefühl ift der Träger des Religiöfen, auch nach der Anfchauung des Judentums. Aber das religiöfe Gefühl fleht nicht fo fehr am Anfang als am Ende der Mizwa-Tat und des Mizwa- Lebens. Eine Tat gilt auch dann als religiös, wenn fie vom religiöfen Gefühl nicht ausgelöfl und nicht begleitet wurde. Das religiöfe Gefühl foll wohl Ausgangspunkt der religiöfen Tat fein (und fie ift es auch bei jenen, die durch das Gefetz bereits erzogen find), muß es aber nicht fein. In allen Fällen jedoch ift das religiöfe Gefühl die Folge, die Wirkung einer religiöfen Tat. Die Frucht der Mizwa ift das religiöfe Gefühl, das fie erweckt. Und dies führt zu neuen Mizwot und zu neuen Steigerungen des religiöfen Gefühlslebens. Ein Gefühl kann nicht erzwungen werden. Es kann aber geboten werden, wenn uns die Mittel gegeben find, durch die wir es erwerben. Wie die übrigen (phyfifchen und geiftigen) Kräfte im Menfchen kann auch das Gefühl erweckt, gebildet und gefördert werden. Und, ift es vorhanden, auch dann muß es unaufhörlich gepflegt werden, wenn es nicht verkümmern foll.

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