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Nahalat tsevi · 1937-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1937) · p. Seite 137

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 4-6 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 137 (sequence 51)
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137 Kraft der Thora, alle Kulturinhalte nicht nur sich zu assimilieren, sondern deren dynamifches Formprinzip zu sein, sie so umgestalten zu können, daß sie Thora werden. Das Prinzip ist also, die Kraft der Thora in jeglichem Tun des Menfchen, wo immer er als ein Schaffender steht, wirksam werden zu lassen. T. i. D. E. bedeutet also Bewährung nach jeder Richtung. Hirfch hat, und das ist das Neue bei ihm, die seelifche Struktur des religiösen Erlebens neu geformt. Während man sonst einen gewissen Antagonismus zwifchen Lebensgefühl und religiösem Gefühl empfand, — und auch mancher religiöse Jude in seiner Religion eine Befreiung oder eine Zuflucht aus einer seelifchen Krisis, die durch den Ruin des Lebensgefühls entstanden war, sah - ja, sogar die Gefahr der Meinung bestand, daß ein kraftvolles religiöses Gefühl zur Auflösung und Zermürbung des Lebenswillens, der fchöpferifchen Freude und der Aktivität führen könne, erklärte Hirfch: Jüdifche Religion ist jüdifches Leben. * Dem religiösen Juden ist seine Religion also nicht bloß ein Trost für das Leben und nicht einmal bloß eine Rechtfertigung oder Bereicherung des Lebens, sondern das von Gott in ihn gepflanzte Lebensgefühl selbst. Die Mizwaus sind nach Hirfch nicht dazu da, um ihm die Lebensfreude zu ersetzen, und auch nicht, um ihm die Lebensfreude zu steigern, sondern sie sind die Funktionsäußerungen der lebendigen jüdifchen Seele. Die verbreitete Ansicht, die תורה sei nicht bloß Religion, sondern enthielte außerdem Staatsgesetz, Familienrecht, soziale Gesetzgebung usw., ist nicht ganz zutreffend. Man müßte es präziser formulieren: Die תורה will diese Gebiete eben als Religion umfassen. Das Wesen der jüdifchen Religion besteht überhaupt darin, daß sie alles menfchliche Gefchehen zur Religion erhebt. Das gesellfchaftliche Leben, die Familie, der Ackerbau, das ganze Erwerbsleben ist Religion und muß Religion sein, das Leben selbst ist nichts anderes als ein eigentlicher Gottesdienst. Jüdifche צדקיס sind nicht bloß heilige Männer, sondern sind Heroen der Heiligung des Lebens. Aus dieser Überzeugung ergibt sich Hirfchs Stellungnahme zur Frage der profanen Bildung. Thora, so lehrt er uns, ist unsere eigentliche jüdifche Bildung. Durch die bloße Aufnahme von Lernstoff hat man noch nicht die Thora zum Bestandteil der eigenen geistigen Substanz gemacht. Thora als jüdifche Bildung ist ein Begriff, den Rabbi Jisroel Salanter in * Vgl. Nachlath Z’wi VII. 1/3 Hirsch: Von den päd. Werten usw.

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