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Nahalat tsevi · 1937-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1937) · p. Seite 136

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 4-6 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 136 (sequence 50)
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136 ist doch die Frage nach der Verträglichkeit der beiden Kulturen in einer Seele, die beide aus dem Tiefsten erleben will und sich nicht damit begnügen kann, das Wissen um beide in sich aufzuspeichern, mehr als berechtigt. Der Widerspruch wird vom echten Thora-Juden genau wie vom modernen Kulturmenfchen lebendig empfunden und kann nicht durch ein Schlagwort aus der Welt gefchafft werden. Und noch eines: Bedarf das Judentum einer Ergänzung durch die Menfchheitskultur, oder soll Judentum als Ergänzung zu dieser hinzutreten? Es braucht nicht gesagt zu werden, dab eine Bejahung dieser Fragen eine Herabminderung der Thora bedeutet. Kein frommer Jude kann sich mit dem Gedanken befreunden, dab, wenn er nur viel Thora gelernt hat, er nicht als kulturell vollwertig zu gelten habe, oder dab er zur Bereicherung seiner Persönlichkeit die Kultur auberhalb der Thora suchen müsse. Nun aber findet sich in den Schriften Hirfchs kein Wort, das den Gedanken zulassen könnte, dab er Judentum und Menfchheitskultur als sich ergänzende Werte auffabt. Nicht einmal eine Andeutung dafür, dab Judentum eine anders geartete Kultur duldet, sondern immer wieder betont er den Gedanken, dab Judentum die Form der höchsten Menfchheitskultur ist, die Kultur fchlechthin, die sich doch nicht im ״Ritualgesetz" erfchöpfi, sondern den ganzen Menfchen in seinem Gesamtgestaltungstrieb umfabt, die vom ganzen Menfchen Besitz nehmen will. Die Thora will in das Zentrum der jüdifchen Seele gestellt sein und die Gesamtheit der menfchliehen Existenz so bestimmen, dab durch sie ein neues Leben, eine Einheit des Lebens gestiftet wird. Sie vermag alle kulturethifchen Probleme, die den Menfchengeisi befchäftigten und noch heute befchäftigen, zu lösen. Thora ist für Hirfch die Bildungskraft, die das ganze Dasein durchdringt - Judentum bedeutet für ihn vervollkommnetes Menfchentum. Das Wort ״Nichts Menfchliches ist mir fremd" hat nach Hirfch den Sinn, dab jede menfchliche Regung, jedes menfchliche Tun jüdifch sein kann, vorausgesetzt, dab sie jüdifch erlebt, jüdifch getan werden. Kunst, Wissenfchaft und Arbeit sollen von der Kraft der Thora durchdrungen sein. Thora ist also nach Hirfch die formende Kraft - Form im arisiotelifchen Sinn als wesenhaft. Derech Erez ist nur der Raum oder richtiger der Stoff, in dem und an dem sich die Thora auszuwirken hat. ״Thora-im-Derech-Erez" ist keine Einfchränkung für den Begriff Thora, keine Aufforderung, die Kultur der Thora durch eine andere zu ergänzen, sondern der tiefe Glaube an die

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