Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 52)
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138 Litauen und Rabbiner Hirfch in Deutfchland zur Bewußtheit gebracht haben. Rabbi Jisroel Salanter und Rabbiner Hirfch haben uns, jeder auf seine Weise, den Weg gezeigt, wie man die Thora als Quelle der jüdifchen Bildung für den Juden erfchließen kann. Auf solche Weise wird das auch dem Juden eigene Kulturbedürfnis umgefchaffen zu eigentlicher Religiosität. Ist es uns gelungen, das Ideal des großen Rabbiners zu verwirklichen? Dies kann gewiß nicht behauptet werden, aber aus diesem Nicht-gelingen darf nicht auf das Versagen der Methode gefchlossen werden. Gewiß, die Einseitigen haben es viel leichter# und die bloße Negation ist viel bequemer. Aber orthodoxes Judentum ist kein Ruhebett für Denkfaule: es muß wieder von neuem versucht werden, diese Aufgabe zu lösen. Wenn wir auch die Tragik der Diskrepanz zwifchen Wollen und Können nicht verkennen, so haben wir doch das Glück, in Hirfch ein Vorbild zu besitzen und einen Wegweiser. Gerade Hirfch hat die Schwere der Probleme nie verkannt, die der Orthodoxie aufgegeben sind. Was den anderen als Tragik erfcheinf, war ihm jedoch die unabweisliche Aufgegebenheit. Es ist ein fchwer zu lösendes Problem, aber ausweichen können nur solche, die die Verantwortung für die jüdifche Zukunft, für die jüdifche Jugend und für das jüdifche Leben in Erez Jisroel nicht zu tragen gewillt sind und sich damit abfinden, die Orthodoxie in dem Zustande der ohnmächtigen und einflußlosen Minorität innerhalb des jüdifchen Volkes zu belassen. Nach Hirfch aber ist die Orthodoxie, die als Hüterin der Thora an der Quelle jüdifchen Geistes steht, berufen, die Führung zu übernehmen. Die Führerlosigkeit des jüdifchen Volkes in der Golah war der tiefste Schmerz seines Herzens, und die verantwortungsvolle Übernahme der Führung durch die Berufenen und Legitimierten war seine große Sehnsucht. Die Einwände, daß es ״unmöglich" sei oder daß es bisher ״auch so" gegangen ist, fochten ihn nicht an, sondern befeuerten ihn, weil er die Gültigkeit und die Notwendigkeit seiner Lehre und seines Systems erkannte. Alle, die sich zu Hirfch bekennen, sollten, statt daß sie ihn durch Umdeutungen oder Einfchränkungen zur Unwirksamkeit verurteilen, lieber sein zündendes Wort, die Fackel seines Geistes ins Volk tragen. Dann werden wir bei den Juden nicht mehr fürs Judentum zu kämpfen haben. Wir werden es verwirklicht sehen! Hirfchs ganzes Leben - führte ich an einer anderen Stelle