Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 48)
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134 suchte, konnte doch nur so gemeint sein: warum Rabbiner Hirfch sich mit der Rabbinerausbildung nicht befchäftigt hat. ln dieser Formulierung ist die Frage aber gar nicht berechtigt. Rabbiner Hirfch hatte alle Hände voll zu tun mit dem Aufbau des jüdifchen Lebens in Deutfchland, mit dem Aufbau der jüdifchen Familie, der jüdifchen Gemeinde, der jüdifchen Gemeinfchafl; kurz, Rabbiner Hirfch hat erst den Boden vorbereiten und die Atmosphäre fchaffen müssen, damit sein Nachfolger auf dem Rabbinerstuhl Frankfurts eine Jefchiwoh begründen konnte, die erste jefchiwoh in Deutfchland oder in Westeuropa. * Sollte aber die Fragestellung des erwähnten Verfassers eine Kritik an der sogenannten Berliner Orthodoxie bedeuten, so werden wir hier — um den Kreis des Rabbinerseminars -, die wir uns zu Hirfch bekennen, doch wohl antworten dürfen: Auch Hirfch konnte und durfte die Rabbinerbildung der berufenen Hand Rabbiner Esriel Hildesheimers überlassen. Wir bestreiten nämlich, daß zwilchen Hirfch und Hildesheimer ein Gegensatz weltanfchaulieber Art bestanden habe, wie es ein bekanntes Referat eines hiesigen Zionistenführers darzustellen suchte, wenn es auch gewiß zwifchen diesen beiden großen Männern Unterfchiede im Charakter, Temperament und weltlicher Bildung gegeben hat. Als Religionsphilosoph kam es Hirfch in erster Linie darauf an, die jüdifchkeit als Weltanfchauung zu formulieren und zu verbreiten. Dagegen hatte ״der alte Rebbe״ R. Esriel Hildesheimer seine Hauptlehrtätigkeit auf den Kreis von Talmudjüngern eingestellt. * Anmerkung der Sehriftleitung: Der geschätzte Verfasser hat vollkommen recht. Die Fragestellung bedeutet, wenn sie in der Tatsache, daß Rabbiner Hirsch das in seiner Schule verwirklichte Erziehungsprinzip nicht auch auf die Heranbildung von Lehrern und Rabbinern übertrug, eine prinzipielle Einschränkung seiner Bildungsforderungen erblicken möchte, deren völlige Verkennung. Übrigens hat Rabbiner Hirsch in seinem ״Entwurf der Statuten der Isr. Religionsgesellschaft“ zu dieser Frage in einer jeden weiteren Zweifel ausschließenden programmatischen Eindeutigkeit Stellung genommen. Daselbst heißt es: ״Gleich bei der Gründung der Unterrichtsanstalt der Kehiilath Jeschurun ward es als Aufgabe erkannt und als letztes Ziel ausgesprochen, unter göttlichem Beistände diese An 81a 11 in der Weise auszubauen, daß sie in ihrer vollendeten Entwicklung zugleich eine Bi1dungsansta1t für Lehrer und Rabbiner und überhaupt eine Pflegestätte für die Pflege der Wissenschaft der Thora im allge־ meinen werde, und hat daher eine zur geeigneten Zeit entsprechende Verwirklichung dieses Zweckes dem Vorstand ein angelegentliches Augenmerk zu sein.“