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Nahalat tsevi · 1937-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1937) · p. Seite 132

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 4-6 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 132 (sequence 46)
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131 Salon längst verfchwunden, an seine Stelle sei die Arbeitsstätte getreten. Die jüdifchen Massen, auch in Deutfchland, seien allmählich proletarisiert; zum Bilde des jüdifchen Arbeiters passe die ästhetisierende Jüdifchkell von Rabbiner Hirfch nicht mehr. Nun ist es aber falfch, dab das Bestreben Hirfchs darauf gerichtet war, die Juden salonfähig zu machen: umgekehrt - er hat den Salon jüdifch gemacht. Nicht die Juden in den Salon, sondern die Salonjuden ins Beth-Hamidrafch zu führen, war sein Ziel. Er hat in den Herzen der sogenannten modernen kultivierten Juden, die einen Sinn für Kunst und Schönheit hatten, das religiöse Gewissen geweckt. Religiöses Empfinden - die innere Bereiifchaft und Fähigkeit, Religion zu erleben — zu wecken, war die Aufgabe des Hirfch’fchen Erziehungssystems. Dab man heute auch in nicht-orthodoxen Kreisen den religiösen Problemen mehr Verständnis entgegenbringt als früher, dab Gott in der modernen jüdifchen Literatur einen - wenn auch befcheidenen - Platz einnimmt, dab mancher Schriftsteller sich in Deutfchland als Lieferant von religiöser Literatur etablieren konnte, ist eine Folge auch von Hirfchs Wirksamkeit. Wir wissen, dab die Zahl der religiös Indifferenten innerhalb unseres Volkes eine grobe ist, besonders unter den Arbeitern Palästinas. Alle Versuche, sie für die jüdifche Religion wiederzugewinnen, sind bisher miblungen. Wir können und dürfen aber nicht auf diese Menfchen verzichten, weil sie einen wunderbaren jüdifchen Idealismus, sogar Heroismus aufweisen. Könnten wir ihnen solche Lehrer und Führer geben wie Hirfch sie wollte, so würden viele unter ihnen, deren religiöse Impulse nur verfchüttet sind, den Weg zu wahrer Jüdifchkeit wieder finden. Auf die Frage, was eigentlich das Wesen der Hirfch’fchen Lehre ist, wird immer auf das Schlagwort von ״Thora-im-Derech- Erez" hingewiesen. Dies Schlagwcrt wird aber in der letzten Zeit in den Reihen der Orthodoxie beanstandet, denn die Befchäftigung mit profanen wissenfchaftlichen Fächern soll halachifch verboten sein. Man habe sie nur solange zugelassen wie ein äuberer Zwang - sei es das Schulgesetz, sei es der Zwang der Lebensumstände — bestand. Jetzt aber, beim Wegfall des äuberen Zwanges, trete der alte Issur wieder in Kraft. Der Schreiber des Artikels, im ״,Israelit" 1934, No. 35 führte zur Verteidigung von Rabbiner Hirfch an, dab er die profane Bildung nur insoweit erlaubt habe, wie sie für die berufliche Ausbildung notwendig war, also als Berufs Vorbereitung zu Erwerbszwecken.

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