Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 45)
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13i lEMbeikommentar würde sich dann der Reihe der klassifchen מפרשי התורה anfdhließen. So aber glaubt jeder deutfchfchreibende Schriftsteller sich über Hirfch hinwegsetzen zu können. Hirfch gilt dem Modernen als veraltet, - es mag sein, daß sein Deutfeh unmodern ist; das Jüdifche bei ihm, das Gedankliche, ist nur für den veraltet, der unser gesamtes jüdifches Schrifttum als veraltet ansieht. Viele können es ihm nicht verzeihen, daß er es unternommen hat, das orthodoxe Judentum zu verlebendigen, zu ertüchtigen und so auszurüsten, daß es den Kampf im modernen Leben, den Kampf gegen das moderne Leben wagen durfte. Sie, die Gegner des eiten Judentums, würden lieber eine altmodifche, unbeholfene und fchwächliche Orthodoxie sehen, die für sie den Schimmer der Romantik besitzt und auf einen Kampf im täglichen Leben verzichtet — eine Orthodoxie, die nichts weiter als Respekt für sich beansprucht und keine Aussicht auf Gefolgfchaft oder unbedingte Geltung. Unsere Weisen haben sich über das Verhältnis von Leben und Jüdifchkeit in folgendem Satze ausgesprochen: ״ תורה צוה לנו משה מורשה קהלת יעקב א׳ת מורשה אלא מאורשהLies nicht: ein Erbteil ist die Thora der Gemeinde Jakobs, sondern — eine Verlobte.״ Unsere Thora will keine alte Großmutter, sie will eine junge Verlobte, eine Lebensbegleiterin sein. Seiner Großmutter bringt auch der moderne, wohlerzogene Enkel Respekt entgegen. Er läßt sich von ihr Freitag- und Schabbos-Abends benfehen, aber in der Zwifchenzeit läßt er sie in ihrem bequemen Großmuiterstuhl ruhen. Eine Verlobte beansprucht, daß man mit ihr jeden Lebensfchrilt und jeden Lebensgenuß teilt, sie will überall dabei sein: die Thora will nicht bloß die Romantik des Lebens sein, sie will das gesamte Leben erfüllen. Daß die alte Thora, der unsere Modernen einen bekoweden Winkel in der Schabbos- und Jomtow-Synagoge zuweisen, daß sie nun mit jugendlichem Mut und Frifche den Anspruch auf die Totalität des Lebens zu erheben wagte, ist das Verdienst Rabbiner Hirfchs. In manchen Kreisen der deutfehen Judenheit spottet man über die sogenannte Hirfch’fche Synthese, man nennt sie ״Salonjüdifchkeit״. Hirfch habe die Jüdifchkeit salonfähig gemacht und habe den deutfehen Juden fchön frisiert und ihm die Fähigkeit verliehen, sich im Salon .der Vornehmen zu bewegen. Heute aber sei der