Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 35)
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üi ließ fie Mordechai fagen: Es genügt nicht, wenn Du die Juden zufammenrufft und organifierft — untere Weiten erklären das לך כנוס mit לך דרוש Du muht ihnen redend und mahnend und fordernd - das ift ja der letzte Sinn des Wortes דרש - die Thora wiederbringen. Und kommt denn nicht auch heute die Uneinigkeit durch das Verlaffen der Thora? Arme Menfchen heute, deren übermütige Eltern die Thora verließen und die fich deshalb heute ach to eintam und verlaffen fühlen, diefe armen ״Rüdekehrer״, die nicht wiffen, wohin fie zurückkehren tollen. Und wo ift die Etther, die uns mahnen könnte; ״tage es ihnen". Welch armfelige, mißverftehende und deshalb mißverßandene Schonung, wenn man es da mit der Erbärmlichkeit kleinfter Dofierung vertucht - מאשריך מתעים — Man ift es ernften Menfchen fchuldig, ihnen den ganzen Weg und das ganze Ziel zu zeigen. Wie wunderbar tagt doch der Gaon von Wilna, Mordechai heilte das Volk, indem er der Thoravorlefung die Verlefung der Megillo hinzufügte. Das ift ein wertvoller Beitrag zu der fchwierigen Frage, ob der heutige Zeitpunkt ein folcher ift, in dem man eine rigorofere Handhabung des Religionsgefetzes (לחומרא) oder eine laxere (לקולא) handhaben foll. Der Gaon betont, daß damals jedenfalls eine Mizwa hinzugefügt wurde. Und wenn je wieder folche thorafremde Zeiten kommen tollten, fo follft Du, fo meint diefer Erklärer, den aus dem furchtbaren Traum Erwachenden nicht etwa bloß verfchämt einen Bruchteil der Thora zeigen, fondern ihnen offen und ehrlich fagen, daß fie Alleinherrfchaft über ihn verlangt, auch wenn die Not der Zeit vorüber ift, und darum mögen und dürfen wir fagen, der Allmächtige hat uns das Lefen der Megillo geboten. Wiefo aber, fo grübelt man weiter, kam die Thora fo in Vergeffenheit? Auch das wußten Efther und Mordechai. Sie hatten mit Entfetzen wahrgenommen, wie rafch fich ihre Glaubensgenoffen umgeftellt hatten. Als Ahasveros fie zur Hoftafel geladen hatte, wie feig fie felbft dann an dem Mahle verblieben, als ihnen zugemutet wurde, aus den heiligen Gefäßen der Tempelbeute zu trinken und fo das Heiligße in den Dienft des Sinnlichen fielllen. Und da fagte die Nichte zum Onkel, laß uns fie entbehren lehren im Vollbefiiz ihrer Güter; doch als die Gefahr vorüber war, da fagte Mordechai zu feinen Menfchen, Sinnenfreude, die zu Gott führt, ift heilig. Und er brachte ihnen eines der merkwürdigften Geheimniffe der jüdifchen Lebensanfchauung, den Begriff der סעודת מצות, eines Mahles, bei dem genießende Menfchen von den Schauern