Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 34)
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120 Ahasveros Minifter erkannt, wenn er zu feinem König fagte: Da ift ein Volk, zerftreut iß es auf dem Erdenrund und trotzdem lieblos, einer vom anderen gefchieden; das hatte aber auch Efther und Mordechai erkannt, und fie wußten, daß da im Augenblick ein außerordentlich fchwieriges Erziehungswerk zu beginnen fei. Zur Liebe, zur gegenfeitigen Duldung, zum gegenfeitigen Suchen und Finden mußte diefes Volk erzogen werden und Efther fprach: Verfuche es, ob Du wohl alle Juden, die fich in Sufa befinden, (wohlgemerkt, fo ift der Wortlaut, nicht etwa: alle Juden Sufas) vereinigen kannft, ob Du den graufamen Unterfchied zwifchen den Eingeborenen, deren Ahnen ja füglich auch nicht in Sufa begraben find, und den Einwanderern aufheben kannft. Und Efther wählte diefen Ausdruck, um damit darauf hinzuweifen, daß ja eigentlich der König Ahasveros felbft nach diefer Hinficht ein Vorbild gegeben hatte, indem er alle Sufaner, ob fie aus der Hauptftadt flammten oder nicht, zu feinem Feft einlud. Sie weift darauf hin, daß ihre Glaubensgenoffen, die ja fo gerne mit Leidenfchaft an die Umwelt fich anzugieichen verfuchten, unter fich einmal diefelbe Methode anwenden möchten. Deshalb wählte fie denfelben Wortlaut, welcher der Einladung des Königs zu Grunde lag. Darin aber waren Sufas Juden größer als wir und unfere Zeitgenoffen; das fchwere Werk gelang; fie fanden lieh. Aber nur unter dem Zeichen der Thora, unter der Religion, wie man in vergangenen Zeitläuften lieber fagte. Alle anderen Verfuche mißlangen, und darum verfagen auch alle Rezepte der Neuzeit mit dem Ziel auf Einigung und Einigkeit. Mehr ift wohl darüber nicht zu fagen. Um aber diefem feligen Augenblick der Liebe die Möglichkeit zu geben, jederzeit wiederzukehren, beftimmten Efther und Mordechai ein doppeltes: Gabe an die Armen und Wechfel der Gefchenke zwifchen den Freunden. Wohl ift natürlich foziale Hilfe Ausfluß einer heiligen Liebesfehnfucht, es könnte aber, fo meinten Efther und Mordechai, eine Zeit kommen, in denen foziale Fürforge der Liebe entrückt und. dem Zwang anheim gegeben ift, und bei diefem Empfinden möchte bei manchen die Liebe vermißt werden. Deshalb fügte man das Schenken unter denen hinzu, bei denen die fozialen Unterschiede nicht obwalten, und wollte unferem Leben empfehlen, um Freunde zu werben, um diefe idealfte felbftlofefte Form wahrer Liebe. Wiefo aber, fo grübelt man, war aus der Judenheit Sufas. die doch gemeinfames Golagefchick trug, die Liebe fo fehr gewichen? Efther meinte, weil die Thora von ihnen gewichen war. Und alfo