Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 13)
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99 Jugend heran und lernt aus der Eltern Beispiel, Mensch und Bürger sein, in der edelsten Bedeutung des Wortes, lernt Schonung gegen Tiere, Wohltätigkeit gegen Menschen, Opferfreudigkeit für vaterländische Zwecke aus einem Pflichtgefühle üben, das unabhängig ist von augenblicklichen Stimmungen und um so zuverlässiger ist, als es in dem Diktat seiner allgemeinen Lebensaufgabe wurzelt. Verwandt und enge damit verbunden ist die Pflege des kommunalen Gemeinsinnes und der Vereinstätigkeit für humanitäre Zwecke, beides mit Recht ein bedeutsames Augenmerk der Gegenwart, und beides seit je im jüdischen Kreise gekannt und gepflegt. Verständnis, Sorge, Geld und Zeit in uneigennützigster Tätigkeit den Angelegenheiten seiner Gemeinde zuzuwenden, stand von je obenan in dem Pflichtkodex des jüdischen Mannes, und die noch vorhandenen Statuten und Gemeindeordnungen vergangener Zeiten zeigen, wie rege der Gemeingeist unter den Vorfahren des gegenwärt-igen jüdischen Geschlechtes gewesen, und wie jüdische Männer schon in alter Zeit unter den schwierigsten Verhältnissen es verstanden, Gemeindeangelegenheiten mit weiser Umsicht nach Billigkeit und Recht zu ordnen und einsichtsvoll und tatkräftig zur Blüte zu bringen. Hand in Hand mit dieser Beteiligung am Gemeinwesen gingen und gehen die freien Vereinigungen für humanitäre Zwecke, die Vereinstätigkeit für Krankenpflege, Armenunterstützung, Witwen- und Waisenversorgung, Arm-Jugendunterricht, Ausstattung armer Bräute, Sorge vereinigter Kräfte für die Hilfsbedürftigkeit in jeglicher Gestalt. Gemeinde- und Vereinsbestrebungen, die allein es ermöglichten, die Bekenner des Judentums die dunkelsten Zeiten, in welchen wohl mancher andere Menschenstamm sein Grab gefunden hätte, überdauern zu lassen und der lichteren Gegenwart ein geistig und sittlich ungebrochenes Geschlecht zum ebenbürtigen Eintritt in die bürgerliche europäische Gemeinsamkeit zu überantworten. Und während so der jüdische Charakter seit Jahrhunderten zum sympathischen Anschluß und zur regsten Beteiligung an allen Bestrebungen und Anliegen der kleineren und größeren Gesamtkreise seiner Umgebung sich ausbildete, übte ihn gleichzeitig seine Stellung, gleichsam als Korrektiv dieser Richtung, nicht mit jeglichem Strome zu schwimmen, und, wo es heiligen Überzeugungen gilt, wenn es sein muß, allein zu bleiben mit seinen Überzeugungen und den ausharrenden Mannesmut einer dissentierenden Minorität zu bewähren. Von dem ersten Eintritt des Judentums in die Geschichte waren seine Bekenner eine solche dissentierende Minorität der ganzen übrigen Welt gegenüber, und die gesetzestreuen An-