Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1937-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1937) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 4-6 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 98 (sequence 12)
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2551369-2551418-2551421--2514-2554040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

98 Momente zu erinnern, deren Pflege in außerjüdischen Kreisen meist erst in neuer Zeit ein besonderes Augenmerk erziehender Jugendbildung geworden, vom jüdischen Gesetze jedoch bereits seit dessen Bestehen seinen Bekennern anerzogen ist. Seitdem das jüdische Gesetz sein ״verbinde dem Tiere den Mund nicht, wenn es drischt“, gesprochen, und ״wenn du ein Tier unter seiner Last erliegen siehst, springe hinzu, ihm die Last abzunehmen“, und hierin die jüdische Lehre gegen den Herrn nur ein bedingtes, dem Tiere gegenüber aber ein absolutes Pflichtgebot erkannte, — seitdem ein Abraham in Sonnenbrand vor seiner Hütte gesessen, um müden Wanderern Erquickung und Labung unter dem gastlichen Schatten seines Baumes zu bieten, seitdem das Herz eines Abrahams selbst für die Schonung eines Sodom und Gomorra zu beten verstanden und dann das Gesetz zu seinen Enkeln gesprochen: ״Öffnet, öffnet die Hand dem Armen und Dürftigen“, ״gebet, gebet freudig, und werdet nie müde im Geben“, ״verlasset die Witwe nicht und die Waise nicht und nicht den Fremdling“, ״kränket keinen und drücket keinen, und lasset keinen über euch zu mir aufschreien, denn ich bin barmherzig“, ״wandelt in meinen Wegen, seiet barmherzig und gnädig und liebevoll, wie Ich“, seitdem ist Bamherzigkeit mit allem was lebt und empfindet, ist Menschlichkeit, ist Schonung, ist lebendiges Mitgefühl ein Grundzug der jüdischen Menschenfamilie geworden, den ihr, wir glauben nicht zu irren, Freund und Feind auch von je zuerkennen. Und seitdem diese jüdische Menschenfamilie, aus ihrer Urheimat vertriebenen die weite Welt unter alle Völker hin zerstreut wurde, hatte ihnen Gott in ihr Wanderbuch die Weisung hinein schreiben lassen: ״Suchet das Wohl der Staaten, unter die ich euch führe, und betet für sie zu Gott, denn an ihr Heil ist das eurige geknüpft“,1) und seitdem hat der Jude nicht nur ein offenes Herz und eine offene Rand für unterschiedlose Privatwohltätigkeit, sondern er gehört mit Herz und Hand der Stadt und dem Lande an, in welchem er von je seine Vaterstadt und sein Vaterland begrüßt, selbst in Zeiten, wo er nur noch stieiväterlich sich behandelt sah, und war und ist an patriotischer Bereitwilligkeit nie der letzte, wo die öffentliche Wohlfahrt an die Opferfreudigkeit der Stadt- und Staatsgenossen appelliert. Unter dem Einfluß dieser von dem jüdischen Gesetze gepflegten Gesinnungen und Handlungsweisen wächst die jüdische *) Jerem. 29,7.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.