Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 11)
- Belongs to
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07 positiven, nur dem Kundigen sieh erschließenden, tiei bedeutsamen, geistigen und sittlichen Gehalt der versagenden und verpflichtenden Anordnungen, mit welchen das jüdische Gesetz das ganze leiblich geistige Leben des Juden umfaßt, so ist doch gleichzeitig deren gewissenhafte Erfüllung durchgängig eine fortgesetzte Übung jenes pflichtgetreuen Gehorsams. Und dieser Gehorsam ist um so reiner und seine Leistung von um so größerem sittlichen Gehalte, je weniger diesem Gesetze ein weltlicher Arm zur Seite steht, je weniger greifbare Errungenschaften sich an seine Erfüllung knüpfen, je größer die Opfer erscheinen, die die Erfüllung fordert, und je größer und häufiger die inneren und äußeren Versuchungen sind, die zum Nichtgehorsam laden. Zu diesem freien, sich selbst kontrollierenden Pflichtgehorsam wird das jüdische Kind von früh an gewöhnt. Es lernt von selbst seinem Hunger, seinem Durst, seiner Genussesfreude, seiner Spiellust, seinen Neigungen in Beziehung auf bestimmte Gegenstände, für eine bestimmte Zeit und um eines höheren sittlichen Zweckes willen Einhalt zu tun und zeitliche oder dauernde Befriedigung zu versagen, und nur jüdische Eltern wissen, wie leicht und wie gerne Kinderseelen solche pflichttreue Selbstbeherrschung üben, wie tief die Kraft zu sittlicher freudiger Selbstbeherrschung der Menschenseele von früh an innewohnt, und welche Macht das eingeborene Gewissen und pflichtgetreues Beispiel über Kindergemüter zu üben vermögen. Das jüdische Kind lernt aus dem Beispiele der Eltern: gehorchen, es sieht die Eltern demselben Gesetze freudigen gewissenhaften Gehorsam leisten, dem auch es mit seinen kleinen Lebenstätigkeiten zu gehorchen geübt wird. In diesem sichtbaren Elternbeispiel liegt das ganze Geheimnis der so nachhaltigen Wirkung einer echten jüdischen gesetzestreuen Kindererziehung. Des Kindes Stolz ist es, ״groß״ zu sein, und ״groß sein“ bedeutet dem jüdischen Kinde: dem Gottesgesetze vollen Gehorsam zu leisten. Und es ist ja kein Leben trüber Asketik, es ist vielmehr ein sehr positives, sinniges, heiter ernstes Leben regen Wirkens und Schaffens und sittlichen Frohseins, das, bewegt von dem Sporn der ״Pflicht“, innerhalb jener negativen Umschränkungen sich entfalten soll und die Atmosphäre bildet, in welcher die Jugend in häuslicher und größerer Gemeinsamkeit heranzublühen hat. Den Einfluß zu zeichnen, den ein volles gesetzestreues jüdisches Leben auf die Bildung der Charaktere folgerichtig zu üben geeignet wäre, würde die diesen Blättern gezogenen Grenzen weit überschreiten. Wir begnügen uns, an einige wenige, an der Oberfläche liegende