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Nahalat tsevi · 1937-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1937) · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 4-6 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 94 (sequence 8)
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94 Welche Lehrer welcher Religion haben also zu ihrem Volke gesprochen? Und ist es doch nur eine jüdische Lyra, ist es doch die Harfe Davids nur, die von vornherein sich in der weltgeschichtlichen Kultur-Mission begriffen, mit ihren Klängen die Gotteserkenntnis und die Hingebung an Gott unter allen Nationen zu wecken,*) deren Töne daher noch heute in allen jüdischen und nichtjüdischen Tempeln und Hütten klingen, wo nur Menschengemüter und Geister zu Gott sich erheben, und von deren Geist die Gebete der Juden erfüllt sind. Wenn im Mittelalter jüdische Söhne ihre vom Völkerfanatismus erschlagene Eltern begraben hatten, dann traten sie an das vom Völkerfanatismus gegrabene Grab ihrer Eltern hinan und sprachen — im Kadischgebete — die Zuversicht aus, daß ״doch immer größer und heiliger und allverbreiteter Gottes Name werden, und Sein Reich auf Erden in nicht allzulanger Ferne kommen werde“, und diese Zuversicht wird immer wiederholt, wo nur Juden sich im Gebete vor Gott versammeln. An den Neujahrs- und Versöhnungstagen, wo jeder Jude an seiner Besserung, an seiner Rückkehr zu Gott und zur vollen Erfüllung seines heiligen Willens arbeitet und darin seine Sühne sucht vor Gott, schließt er wiederholt und wiederholt in diese Sehnsucht die Bitte für sühnende Rückkehr aller Menschen zu Gott ein, daß ״die Gotteserkenntnis und die Ehrfurcht vor Gott alle Menschen erfüllen und sie alle einen Verein bilden mögen, Seinen Willen mit aufrichtigem Herzen zu erfüllen“; und das ganze Jahr hindurch, nie scheidet ein Jude aus dem täglichen Gebete, ohne die Hoffnung mit heimzunehmen, daß bald die Zeit kommen möge, wo die Gesamtmenschheit von der Gotteserkenntnis und der Gotteshuldigung durchdrungen sein, vor dieser Erkenntnis und Huldigung alles sittlich Schlechte von der Erde schwinden und das Gottesreich beginnen werde, in welchem, ״wie Gott der Eine-Einzige ist, so auch sein Name Eins sein werde auf Erden“. Und es ist nicht die Bekehrung aller Menschen zum Judentume, es ist die Rückkehr aller Menschen zum reinen Menschentum, zu einer Gott erkennenden, seinem Sittengesetze huldigenden und diese Erkenntnis und Huldigung in einem Leben keuscher Sittlichkeit und sozialer Gerechtigkeit und Liebe bewährenden Humanität, in welcher das Auge des Juden diese Heileszukunft der Menschheit erblickt. 1) Sam. II, 22,50. Ps. 57,10. 108,4.

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