Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 86 (sequence 88)
- Belongs to
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86 Vergleiche zwifchen den Gefchicken des Körpers und denen des Volks- Organismus stellenweise allzu gewagt und zeitgemäß. Im sonstigen ersieht man gerade aus diesem Werke: Der heutige Idealismus ist durch die seither zutage gekommene objektive und exakte Forfchung doch viel gefchützter als etwa der verfrühte Schelling- Hegelfche Denktyp gegen die Verirrungen luftigen Hypothesenbaues. Man spürt ein gewisses wissenfchafiliches Verantwortungsgefühl aus allem heraus. Eben dadurch verbieten sich von selbst für die Verfasser einseitige Polemiken gegen die von ihnen als überwunden angesehene Wissenfchaftsepoche und gar gegen deren Vertreter, die ohne Rüdesicht auf ihre Einstellung und Zugehörigkeit zitiert werden (Ginzberg, Guttmann, Kirfchbaum, Storch-Lissauer u. a.), — ganz im Sinne des gemäßigten Idealismus Goethes. Diese in der Biologie fußende Denkweise hat selbstredend ihre Auswirkungen in der Denklehre derselben Forfcher. Wir werden nicht gerade einen, wie diese Forfcher es nennen, ״christlichen״ Weg, sondern auch unser Prinzip darin sehen (129), zwifchen mystifcher Flucht ins Schwärmerifch-Subjektive und abstrakter Intellektualisierung den gesunden Mittelweg des ״denkenden Schauens״ und ״sinnlich-sittlichen Erlebens״ zu suchen und in der Erziehung die Rüdeverbindung des heutigen verbildeten Menfchen zur Naturfchau und Unverdorbenheit des reinen Menfchtums anzustreben, In dieser und mancher anderen Frage werden wir, besonders wenn wir vielleicht esoterifch-jüdifche Gedankengänge mitberücksichtigen oder die Hirfchifche Symbolik in ihren Grundgedanken mit heranziehen, den Verfassern zustimmen müssen; in anderen, nicht minder entfeheidenden Punkten sind ihre Darlegungen vom jüdifchen Standpunkte aus mit allergrößter Vorsicht aufzunehmen. Dies soll jedoch keine Warnung sein, sondern im Gegenteil eine Aufforderung für jeden denkenden Juden der Gegenwart, die gefchilderte Gedankenwelt, die nun einmal die geistige Atmosphäre des denkenden Teiles unserer Umwelt ist, zu prüfen und zu sichten. Die neulich auch in diesen Blättern gestreifte Frage, inwieweit wir mit unseren geringen heutigen Geisteskräften und Kenntnissen in der Thora berechtigt und verpflichtet sind, auch den Quellen des jüdifch-esoterifchen Wissens nachzugehen, bedarf auch unter diesem Gesichtspunkte einer grundsätzlich neuen Beleuchtung. Gerade aus dem Prinzip des Meisters heraus wird man auch diesen abgelegenen Gebieten heutigen Wissens sich nicht völlig verfchließen dürfen. Daß wir mit dem Zahlen-Denken des materialistifchen Zeitalters in der Erforfchung von Lebensproblemen nicht von der Stelle