Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 72 (sequence 74)
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72 unferer heutigen Freunde gar nicht davon überzeugen, daß diefe Wege wirklich neu find. Es gibt m. E. kaum eine ins Seelifche tiefer hineinfchürfende Mizvothdeutung als die des Meifters. Dasfelbe, was Sie, lehr verehrter Herr Rabbiner Dr. Klein, von der elhifchen und moralifchen Anfeuerung durch die betr. Partien des חורב fagen, kann uneingeschränkt auch von dem tief feelifchen Gehalte der hirfchifchen Symbolik getagt werden: Sie iß noch durch kein modernes Syftem der gleichen Richtung übertroffen worden. Wenn es wahr iß, daß die Grenzen zwifchen Perfönlichkeit und feelifchem Erbteil, zwifchen Neigung und freiem Willen, ja zwifchen Gottes Allmacht und der Macht der vom einzigen Gott in der Schöpfung eingefetzten Gewalten die Hauptthemen der efoterifchen Überlieferung find, dann weiß ich nicht, wer von den modernen Bearbeitern des gleichen Gebietes diefen Problemen gründlicher nachgegangen wäre als der Meifler in feiner Symbolik. Diefe Erwägung möchte ich, obgleich wohl feftßeht, daß der Meifler felber (wie vielleicht mancher früherer Weife der innerften jüdifchen Lehre) ganz ungewollt an diefe Bereiche feines Denkens kam, doch Ihrer Warnung vor dem Eindringen Heutiger in die gleichen Regionen in aller Ehrerbietung gegenüberßellen. Nach der anderen Seite hin möchte ich alle heutigen, gerade denkenden Autoren der gedachten Richtung im Iniereffe ihrer eigenen Tatfachentreue empfehlen, nicht länger in das fchon etwas ßereotyp gewordene, wenig fachkundig klingende Gerede vom ״Rationalismus Hirfchs" einzuftimmen, das ebenfo einfeitig und ungerecht iß wie das andere von der ״romantifchen Denkweife״ Hirfchs; man muß in aller Unvoreingenommenheit die ״Grundzüge einer jüdifchen Symbolik" und andere fymbolifche Deutungen des Meifters einmal durchßudieren und, wenn es möglich iß, mit den damaligen (Steinheim, Wahrmund etc.) und heutigen (Daque) Ideen über Symbolik vergleichen; dann wird man einfehen: Hirfchs Symbolik läßt alles Nebelhafte und alle Befferwifferei unter fich, hält fich an das Faktum des Gefetzes sans phrase, aber in genialer Ahnung oder genauer getagt Selbßbefcheidung auch getreulich an das, was die ftreng objektive heutige Erforfchung des Welt- und Seelengefchehens als Symbol gelten läßt. Seitdem man auch die Seele als Tatfache entdeckt hat, find die Grenzen zwifchen den Gegenftänden und der Forfchungsweife der efoterifchen und der fonftigen Thora- (und Welt-!) Erforfchung nicht mehr in alter Schärfe aufrechtzuerhalten. Vielleicht nähern wir uns wirklich der Zeit, in der, wie es ARI vorausgefehen haben foll, Nigleh und Nistar einander gleichwertig werden.