Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 69 (sequence 71)
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69 ״Neue Wege״. Von Rabbiner Dr. B. Cohen. Sehr verehrter Herr Rabbiner Dr. Klein! נ״י Ihre Ausführungen im vorigen Hefte des ״Nachlath Zvi" über die Bedenklichkeit ״neuer Wege״, insbefondere kabbaliflifcher Studien, werden wohl die innigfte Zuftimmung aller unterer Gefinnungsgenoffen finden. Dennoch bitte ich Sie hierdurch um רשות, einige Gefichtspunkte zur Geltung zu bringen, die Sie außer Beirachi lieben und deretwegen ich Ihrer Darlegung nicht in allen Teilen zu folgen vermochte. Wenn aus dem uns gleichgefinnten Kreife Studien der gedachten Art hervorgehen, fo darf man unterftellen, daß ein solcher Verfaffer fich eine Leferfchaft vorftellt, die wenigftens in populärem Sinne nalurwiffenfchaftlich intereffiert oder auch vorgebildet iß. Es iß nicht leicht, einen Styl zu finden, der diefem Teile der Leferfchaft angemeffen und dabei im nötigen Maße geeignet wäre, andere, minder verftändnisvolle Lefer zur Selbßbefcheidung, d.h. Nichlbefaffung mit den betr. Themen zu veranlaßen. Wer nun die erwähnte naturkundliche Befchäftigung einmal hat betreiben müffen, die lieh heutzutage manchem ungerufen aufdrängt, der wird in den Gedankengängen der von Ihnen mit Recht größter Vorficht empfohlenen Studien manchen ״alten Bekannten״ wiederfinden. Wen z. B. die Lehrerpraxis odgl. zur Befchäftigung mit FREUDs Theorien geführt hat, kennt aus deffen ״Jenfeits des Luftprinzips" die moderne Wiederbelebung des Gedankens der Spannungen und Gegenfpannungen des kosmifchen Gefchehens, — meift in das Bild der biologifch aufgefaßten Zeugung gekleidet wie in den Mythen der Antike, aber auch mutatis mutandis wie in den Gleichniffen unterer Mekubbalim. Bis ins Einzelne näher ausgeführt erfcheint diefe Idee bei Sandor FERENCZI in deffen grob angelegter ״Genitaltheorie" oder ״Bioanalyfe". Obwohl FERENCZI ganz deszendenztheoretifch eingeßellt ift, gelangt er zu einer, wie fein Anhänger Fr. Alexander es nennt, ״neuen Anerkennung der alten Wahrheit von der Erfchaffung des Menfchen durch ein denkendes Wefen״. Das bedeutet bei FERENCZI: Es herrfchen in der ganzen organifchen Welt fo viele zielftrebige Tendenzen und Gegentendenzen, und diefe üben fo entfeheidenden Einfluß auf die Geftaliung der Lebewefen, ihr Wachstum und ihre Wachstumsgrenze und ihren Tod, ihre Fortpflanzung und ihre gattungsmäßige Umgeftaltung