Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 60 (sequence 62)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551418-2551420--2471-2553996
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6Ö wurde in der Form des moralischen Druckes auf die Regierenden gedacht. So schreibt Mendelssohn 1784 an einen jungen Freund nach Wien, dem der Kaiser trotz gut bestandenen Examens die Lehrbefugnis auf der Wiener Universität nicht zugesteht: ״Je größere Schwierigkeiten, desto mehr Kräfte müssen wir anstrengen. Es müssen Mehrere und immer Mehrere unter uns auf stehen, die sich ohne Geräusch hervortun und Verdienste zeigen, ohne lauten Anspruch zu machen. Lassen Sie dann nur die Exzellenz menschenfreundlich genug seyn, das Verdienst anzuerkennen; die Majestät wird am Ende dennoch der Exzellenz nachfolgen müssen“.179) Hierin ist zugleich die Aufgabe umschrieben, die Mendelssohn sich und seinen Glaubensgenossen zur Erreichung der Gleichberechtigung gesetzt hat: Leistungen hervorzubringen, die auch nach außerjüdischem Maßstabe eine positive Bewertung erfahren können. Entsprechend dem Wertsystem der damals maßgebenden deutschen Gesellschaft konnten die Leistungen auf geistigem Gebiete die größte Anerkennung erwarten. So wurde, wie schon früher für den Einzelnen, jetzt für die ganze Judenheit das Streben zum außerjüdischen ״Geist“ ein Mittel zum geseilschaftliehen Aufstieg, wodurch auch die politisch-rechtliche Gleichstellung bewirkt werden sollte. Dieser Zielsetzung Mendelssohns entsprach es, daß er von da ab auf seine Glaubensgenossen in dieser Richtung erzieherisch einzuwirken versuchte. Die Propagierung des Hochdeutschen und die negative Bewertung des Jüdisch-Deutschen zeigen die erfolgte Wandlung. Da die Möglichkeit der ״bürgerlichen Vereinigung“ erkannt wurde, sollte von Seiten der Juden dahin gestrebt werden, die Momente der gesellschaftlichen Trennung, so in erster Reihe die eigene Sprache, verschwinden zu lassen. Die Aeußerungen Mendelssohns, die sich gegen das Jüdisch- Deutsche wenden, stammen alle aus dieser Zeit, als er schon die Möglichkeit der rechtlichen Gleichsetzung erkannte.180) Ein weiteres Mittel zur Umstimmung der öffentlichen Meinung schien Mendelssohn die literarische ״Aufkläriuig“. Seine oben erwähnte ״Einleitung“ und sein ״Jerusalem“ soll diesem Zwecke dienen. Er versucht es nachzuweisen, daß der Ausschluß einer Menschengruppe von bestimmten Erwerbszwei- 17 9) Schriften, Bdi. V. S. 680. 18°) Vgl. Kayserling, a. a. O. S. 282.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.