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Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 58

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 58 (sequence 60)
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58 Assimilation und Emanzipation. Es ist in der jüdischen Geschichtsschreibung eine vielfach vertretene Ansicht, daß die Assimilation der Juden durch die mit ihr verknüpften Hoffnung auf eine Emanzipierung weitgehend mitbewirkt wurde. Es heißt, die Juden wollten die Emanzipation verdienen und die Assimilation sei dafür der Preis gewesen.173) So richtig diese Ansicht für die späteren Abschnitte der Assimilation ist, so muß sie doch als Begründung für die Ursprungliehe Entstehung der Assimilation u. E. abgelehnt werden. Ismar Freund ist der Behauptung entgegen getreten, den Juden sei die Emanzipation ohne ihr Mittun durch die preußische Gesetzgebung von 1812 gleichsam in den Schoß gefallen. Freund beweist dem gegenüber an Hand der von ihm veröffentlichten Akten, daß die Juden schon lange vorher sich um eine Reform ihrer rechtlichen Lage bemüht hatten.174) Diese Bemühungen beginnen mit dem Jahre 1787, ein Jahr nach dem Tode Friedrichs des Großen.175) Es ist aber auch ein Jahr nach dem Tode Mendelssohns, ein Zeitpunkt, den man als Schluß des ersten Abschnitts der Assimilation ansehen kann. Will man daher klären, wie weit die Hoffnung auf rechtliche Gleich- Stellung die Entstehung der Assimilation bewirkte, so muß danach gefragt werden, ob und wie weit eine solche Hoffnung in dem ersten Abschnitt der Assimilation lebendig war. Es läßt sich zeigen, daß das Jahrzehnt zwischen 1770 und 1780 auch in dieser Hinsicht eine Zeit der Wandlungen bedeutete. Bei Mendelssohn ist diese Wandlung eindeutig nachzuweisen. Noch während des Lavaterstreites, also 1769, schrieb Mendelssohn: ^Ich bin ein Mitglied eines unterdrückten Volkes, das Wohlwollen der herrschenden Nation, Schutz und Schirm, erflehen muß, und solchen nicht allenthalben und nirgend ohne gewisse Einschränkungen erhält. Freyheiten, die jedem anderen Menschenkinde nachgelassen werden, versagen sich meine Glaubensgenossen gerne, und sind zufrieden, wenn sie geduldet und geschützt werden“.176) Diese Worte verfolgen zwar einen bestimmten Zweck, denn sie sollen verständlich machen, warum der Schreiber einer Auseinandersetzung mit dem Christentum aus dem 173) vgl. Kap. I und die dort angegebene Literatur. 174) Freund!, a. a. O. Bd. I, S. 208. 175) Ebenda. 176) Schriften, Bd. III, S. 46—47.

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