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Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 54

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 54 (sequence 56)
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54 gewirkt hatte, so ist sie doch charakteristisch. Sie zeigt die Riehtung an, in der die Möglichkeit der theoretischen Rechtfertigung der Loslösung vom Religionsgesetz lag. Daß eine solche Loslösung beim fortschreitenden gesellschaftlichen Verkehr der Juden im außerjüdischen Gesellschaftsraum erfolgen werde, war den nichtjüdischen Aufklärern, in erster Reihe Dohm selbst, klar. Wenn nur einmal die Juden ihre Rürgerrechte erhalten haben werden, so meinte Dohm, würde nichts diese Entwicklung auf־ halten können, ״selbst die Stimme Mendelssohns nicht, der nur hier seine Brüder nicht gehorchen müssen imd, wird jene Bedingung erfüllt, auch nicht gehorchen werden.“160) Dohm hatte die Loslösung der Juden vom Religionsgesetz von der Gewährung der Gleichberechtigung erwartet. In der Wirklichkeit erfolgte sie in jenen Kreisen, die sich einer außer־ jüdischen Gruppe zuzählten, bereits in der Generation nach Mendelssohn, als die Emanzipation noch höchstens als Wunschbild der Zukunft vorhanden war. Von Mendelssohn und auch von Wessely ist es bekannt, daß sie das Religionsgesetz bis in seine letzten Folgerungen beobachteten und für seine Gültigkeit öffentlich eintraten.161) Bei ihnen wirkte noch die Verwurzelung in der jüdischen Lebensform, die damals noch zum selbstver־ stündlichen Zubehör des jüdischen Seins zählte. Der selbstver־ stündliche Geltungsanspruch des Religionsgesetzes, dessen Er־ forschung der größte Teil ihrer Jugendzeit galt, wirkte noch nach. Trotz des ab wertenden Urteils der aufgeklärten Christen über das jüdische Religionsgesetz, wie es in fast allen Schriften Dohms zum Ausdruck kommt, blieben die beiden er־ wähnten Triebkräfte stärker und bewirkten, daß Mendels־ sohn und Wessely in diesem Punkte der Aufldärungselite nicht folgten. Die zweite Generatoin hatte dieses Gegen־ gewicht nicht mehr, sie wurde in den jüdischen Quellen, außer der Bibel, nur noch wenig unterrichtet.162) Auch hatte sich, da der Verkehr mit Nichtjuden schon auf breiterer gesell־ schaftlicher Grundlage vor sich ging und die Frauen in den Vordergrund des gesellschafthchen Lebens traten, die Begeg־ nungsform grundlegend geändert. An die Stelle der gemeinsamen geistigen Interessen entsprungenen Freundschaften trat 160) Dohm, a. a. O. Bd1. II, S. 360. 161) Schriften, Bd III, S. 203 ff. 162) Schriften, Bd. V. S. 673.

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