Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 53 (sequence 55)
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53 Entwicklung auf den beiden Ebenen des geschichtlichen Geschehens. Die Anerkennung der interkonfessionellen religiösen Werte hatte der Ideologie der Assimilation auch auf dem Boden der Religionen, die früher den Hauptscheidungsgrund bildeten, Möglichkeiten der theoretischen Verknüpfung eröffnet. Da die natürliehe Religion als das ״Wichtigste und Wesentlichste der besonderen Lehrbegriffe“ 156) der positiven Religionen angesehen wurde, so stellte sie eine Gemeinsamkeit zwischen Anhängern verschiedener Bekenntnisse dar. Wessely weist darauf hin, daß die wichtigsten Lehrsätze der jüdischen Religion, wie der vom Dasein Gottes, der Vorsehung imd Vergeltung, allgemein anerkannt werden. ״In dergleichen Untersuchungen ist es unsere Pflicht, einander beyzustehen, uns einander unsere Kenntnisse mitzuteilen. Da, wo unser gemeinschaftlicher Weg sich endigt, und die streitigen Punkte der verschiedenen Religionen sich anfangen, da halte jeder die Religion seiner Vorfahren, die er mit der Muttermilch eingesogen, und hasse deswegen seine Nebenmenschen nicht.“157) Diese Anschauung, daß alle Religionen in ihren wesentlichsten, oder doch in vielen wichtigen Lehren, die sich mit den Lehren der Religion der Vernunft decken, untereinander übereinstimmen, konnte zu der Folgerung führen, auf den besonderen Lehrgehalt und die besonderen Bindungen der positiven Religionen überhaupt zu verzichten und sich mit dem Bekenntnis zur Religion der Vernunft zu begnügen. Dohm zieht diese Folgerung und verlangt die Zulassung von Kirchenbildungen auf dieser vernunftreligiösen Grundlage. Denn es sei ״sonderbar“, daß man gerade jener Religion die Freiheit der Uebung versage, auf deren Lehren angeblich alle anderen fußen.158) Selbstverständlich soll es auch den Juden unbenommen bleiben, sich zu der Kirche der Vemunftreligion zu zählen und die Bindungen ihrer eigenen Religion aufzugeben. Dohm erwartet sogar von der allmählichen As&imilierung der Juden ein Anwachsen der Anhängerschaft der neuen ״Kirche“ und dadurch eine Steigerung ihrer Stoßkraft und ihres Anspruches auf freie religiöse Betätigung.159) Obwohl diese Erwägung von Dohm sich praktisch nicht aus- 156) Dohm, a. a. O. Bd<. II, S. 181. 158) Dohm, a. a. O. B& II, S. 181. 157) Wessely, a. a. O. S. 36. 159) Ebenda, S. 82.