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Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 52

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 52 (sequence 54)
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keit im Falle ihrer Beeidigung Wegfälle152), üherging Dohm in seiner Erwiderungsschrift mit Stillschweigen. Dieses Bedenken, das vom Standpunkt der theologischen Aufklärung, zu deren Vertretern auch Michaelis gehörte, noch einen guten Sinn hatte, weil für sie eine außerreligiöse Gewähr für Sittlichkeit nicht bestand, verlor für Dohm und seine Gesinnungsgenossen seine Bedeutung. Für sie erwuchs die Gewähr für die Sittlichkeit des Menschen aus einer autonom gesetzten ״Sittenlehre der Vernunft“, die höchstens noch durch eine außer- oder interkonfessionelle ״Religion der Vernunft“ unterstützt wird. Dohm, der sich in Fragen der Religion sehr vorsichtig äußert, spricht das nicht polemisch gegen die positiven Religionen aus. Aber es läuft auf dasselbe hinaus, wenn er den Vorschlag macht, den hergebrachten Religionsunterricht zwar zu belassen, aber neben ihm ״auch zuweilen die reinen und heiligen Wahrheiten der Religion und Sittenlehre der Vernunft . . zu lehren.153) Die Anerkennung eines außerkonfessionellen Grundsatzes, sei es als Sittenlehre und Religion der Vernunft, sei es als verpflichtende Ethik einer autonomen Menschlichkeit, gestattete es, den Juden als Vernunftswesen oder als Menschen unabhängig von seinem Glaubensbekenntnis oder seinem Religionsgesetz zu bewerten. Es sind die außertheologischen Aufklärer, die der Beurteilung der Juden vom ״Standpunkt der Menschheit und nicht vom Standpunkt des Glaubens“, das Wort reden. Daß diese Ansicht um 1780 vielfach vertreten wird, — so denken die meisten, die sich zur Schrift von Dohm äußerten154) — ist ein Zeichen der Wandlung. Ein Jahrzehnt früher, beim Lavaterstreit fand diese Ansicht, außer in Mendelssohn, der sie für sich in Anspruch nahm, keinen öffentlichen Vertreter. Diese Zeit der ideologischen Wandlung fällt mit dem Beginn der gesellschaftlichen Umschichtung zusammen, die in diesen Jahren mit der Bildung der Geisteselite auf breiteren gesellschaftlichen Grundlagen beginnt.155) In dieser Gleichzeitigkeit der Umwandlung im gesellschaftlichen Aufbau und im gesellschaftsbezogenen Denken zeigt sich die innere Abhängigkeit der 152) Michaelis, abgedruckt bei Dohm S. 37. 153) Dohm, a. a. O. Bd. I, S. 122. 154) Siehe besonders Diez, a. a. O. Uncer, a. a. O. und die bei Dohm abgedruckten Aeußerungen Einzelner. 155) Weil, a. a. O. Vgl. den Abschnitt ״Zur Vorgeschichte der Geistes elite<f.

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