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Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 34 (sequence 36)
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34 liehen Daseins lebt. Denn Judentum und Kultur sind nicht kommensurable, auf einer Ebene liegende Begriffe. Kultur ist nicht eine festumrissene, ruhende Größe, der gegenüber nur zwei Verhaltungsweisen möglich sind: entweder vorbehaltlose, uneingeschränkte Bejahung und Hingabe mit allen Konsequenzen oder aber ängstliches Meiden und panische Flucht wie vor etwas Bösem und Verderblichem, — sondern Kultur ist ein Prozeß: eine stets im Fluß befindliche Entwicklung, ein unaufhörliches Werden, das unserem bewußten Eingreifen unterliegt, dessen letzter Ausdruck mit bestimmt wird von der Intensität unseres Mitschaffens, eine Funktion unserer gestaltenden Kraft. Aus solcher Erkenntnis heraus erwächst eine unbefange ne, souveräne Haltung, die eine neue Wertung erlaubt. Kultur ist uns heute — da wir sozusagen schon in die Gesellenjahre unserer Mitarbeit am Kulturleben gekommen sind — nicht mehr das Wundertier, das in geziemendem Abstand mit einer Mi־ scliung von Respekt und Furcht angestaunt wird. Sie ist für uns nicht mehr mit dem Nimbus der Unfehlbarkeit oder dem der Verruchtheit umgeben; wir haben ein freieres und vertrauteres Verhältnis zu ihr gewonnen, das uns in den Stand setzt, in souveräner Auswahl aus ihren Elementen unserem Leben einzugestalten, was dem Aufbau unserer jüdischen Personlichkeit dienlich ist. Sie ist uns nicht mehr ein unheimlicher f remder Kontinent, an dessen äußerstem Rand wir uns mit schlechtem Gewissen schüchtern ansiedeln, sondern sie ist ein Stück unserer eigenen Welt, an dem, wie in jedem anderen Bereich unseres Lebens, die jüdische Aufgabe und Sendung sich zu bewähren hat. Der gefürchtete Konflikt aber zwischen Glauben und Wissen, zwischen Sein und Sollen, Trieb und Pflicht oder wie man sonst die dualistischen Gegensatzpaare nennen mag, tritt nicht erst in dieser Sphäre auf. Man hat ihn nur aus Bequemlichkeit in diesem Bezirk lokalisiert. In Wirklichkeit hat er mit der Frage: Judentum und Kultur unmittelbar nichts zu tun: denn diese ewigen Urkonflikte der Menschenseele wirken an jedem Ort und zu jeder Stunde, und ihnen entgeht, in welcher Verkleidung immer, auch der Jude nicht, der sich auf den engsten Bereich des Jüdischen beschränkt. So stellt sich die Devise: Thora im Derech Erez, weit entlernt davon, ihre Lebenskraft eingebüßt zu haben, unserer Zeit

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