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Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 32

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
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und daß es in seiner ursprünglichen, hundertprozentig jüdischen Gestalt, so wie sie von der Literatur und der mündlichen Ueberlieferung ideal verklärt wird, heute höchstens in der Oase einer Jeschiwa oder eines chassidischen ״Hofes“ zu finden ist. Es war eine große Welt, aber sie ist in der Form, in der sie bisher existierte, unwiederbringlich dahin. Was die deutschen Juden vom Osten übernehmen dürfen und sollen, ist eine Haltung, ein Lebensgefühl: die Vitalität, die Gefühlstiefe, die Innigkeit, die Unmittelbarkeit mid Ursprünglichkeit des Judeseins, Volksbewußtsein und Volksverbundenheit. Aber eine naive Restaurierung dieser Welt mit allen ihren Tatsächlichkeiten ist nicht möglich und auch nicht erstrebenswert. Der Osten hat die schöpferische Formel noch nicht *gefunden, die es ihm ermöglichte, seine unsterblichen Werte in eine neue Lebensform hinüberzuretten, und sich, durch einen organischen Regenerierungsprozeß verjüngt, auch in Gegenwart und Zukunft zu behaupten. Und es wäre ein Widersinn sondergleichen, wenn derjenige Teil der gesetzestreuen Judenheit, der wohl im glückliehen Besitz einer solchen schöpferischen und entwicklungsfähigen Formel ist, sich unklaren romantischen Stimmungen zuliebe ihrer freiwillig entäußern wollte. Daß die deutschen Juden es endlich gelernt haben, neiderfüllt auf das lebensstrotzende Judentum des Ostens und seine großen Schöpfungen zu blicken, ist gewiß erfreulich: aber sie müssen sich klar machen, daß dies alles dort aus besonderen Voraussetzungen langsam erwachsen ist und daß es nicht in ein anderes Milieu fertig übernommen werden kann. Wenn sie sich wirklich danach sehnen, eine analoge Höhe und Dichte jüdischen Lebens zu erreichen, wie sie dort Wirklichkeit geworden ist, so dürfen sie den Osten nicht einfach kopieren, sondern sie müssen versuchen, das aus den eigenen geschichtlichen und psychischen Voraussetzungen, aus den eigeneu Anlagen, nach den eigenen Stilgesetzen' zu neuer selbständiger und origineller Gestaltung hin zu entwickeln: in einer Richtung, die jener anderen Entwicklungslinie wohl parallel laufen, aber nicht mehr mit ihr zusammenfallen kann. (Die Ausdrücke: östliches und deutsches oder westliches Judentum meinen natürlich nicht geographische, sondern weltanschauliche Begriffe, gleichviel, an welchen Orten der Erdkugel sich ihre Bekenner befinden mögen). Gewiß, es ist nicht zum besten bestellt um das deutsche Judentum. Aber nicht in Preisgabe

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