Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Belongs to
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3i tien der deutschen Judenheit, wollte man diese Frage ohne weiteres bejahen. Nicht nur das Lebenswerk ihrer Gipfelgestalten, eines S. R. Hirsch und eines Esriel Hildesheimer, würde dadurch geschmälert werden, auch das einer großen Zahl von Menschen aller Schichten und jedes Bildungsgrades, die in Gesinnung und Tat, in Haus und Gemeinde und öffentlichem Wirken ein vorbildliches und makelloses Judentum gelebt haben, würde unverdiente Zurücksetzung erfahren. Es ist nicht wahr, daß das deutsche Judentum irgendeiner anderen jüdischen Gruppe inferior ist. Es ist anders, es mag dem vom östlichen Judentum Kommenden manchmal befremdend und ungewohnt erscheinen, aber es ist darum jüdisch nicht minderwertiger. Es ist ein orgaganisch gewachsenes Gebilde eigener Art und eigener Prägung, dessen unleugbare Mängel in manchen Bezügen durch andere einzigartige Qualitäten wettgemacht sind, und so wie es ist, ein unentbehrlicher, nicht wegzudenkender Teil der jüdischen Volksgesamtheit, in welcher es eine bedeutende, nicht hoch genug einzuschätzende Rolle gespielt hat und noch zu spielen berufen ist. Nicht nur sind, weit über Deutschlands Grenzen hinaus, die tliDratreuen Zentren in den westlichen Ländern vom Hirsch- Judentum stark beeinflußt, auch der Osten selber hat der deutsehen Orthodoxie unendlich viel zu verdanken. Das Wiedererstarken des thoratreuen Elements im öffentlichen Leben der östlichen Länder wäre ohne die Hilfe und Anregung durch die deutsche Orthodoxie kaum denkbar, und selbst das geistige Leben, vor allem die Ueberzeugungstreue der östlichen Jugend, findet mittelbar Stütze und Ausrichtung an dem Vorhandensein des von Hirsch geprägten Judentums im Westen. Ein plötzlicher Sprung in den von einer falschen Romantik idealisierten Osten, die kritiklose Uebernahme seiner Anschauungsweisen und Lebensformen, wie sie von einer gutwilligen aber schwärmerischen Jugend propagiert wird, würde nicht nur die Auslöschung der eigenen ruhmreichen Vergangenheit bedeuten, die Verleugnung alles dessen, was den vergangenen Generationen heilig und teuer war und vielen gut jüdischen Menschen heute noch ist, sondern trotz der großen bis zur Selbstentäußerung gehenden Opfer, da imorganisch, künstlich und stillos, als eine für eine Gesamtheit psychologische und historische Unmöglichkeit im Grunde keine Lösung bringen. Es ist vielleicht nicht allen klar geworden, daß das östliche Judentum nur noch von den Resten einer einstigen Größe zehrt,