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Nahalat tsevi · 1936-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1936) · p. Seite 30

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
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30 der großen Achronim, sondern er war mehr und anderes als das: er war Verkünder einer neuen Losung, Wegbereiter einer neuen Epoche und in solchem Sinne, wie er treffend genannt worden ist, in der Tat ein ״legitimer Revolutionär“. Wenn nun angesichts der gewiß noch unzulänglichen praktischen Resultate des Hirschschen Erziehungssystems manche aus begreiflicher Sorge um die weitere Entwicklung schon die Verfehltheit des ganzen Systems feststellen wollten, so haben sie den Charakter und das Ausmaß des Hirschschen Erziehungswerks durchaus verkannt. Eine Losung von so weitreichender Bedeu־ tung und umwandelnder Kraft war von Hirsch nicht bloß für eine Generation allein ausgeworfen worden, sondern war bewußt als Einleitung einer neuen geistesgeschichtlichen Epoche im Judentum gedacht und sollte der Nachwelt als weiterzuentwikkelndes Erbteil überantwortet werden. Die Auswirkung des Prinzips war auf lange Zeiträume berechnet, und so kann die prak־ tische Erfahrung einiger Jahrzehnte ,gewiß nichts Endgültiges über seinen Wert oder Unwert besagen. Anstatt also vorschnell ein völliges Versagen des Thora im Derech Erez-Prinzips zu verkünden, hätten dessen Verächter sich vergegenwärtigen sollen, daß mit seiner Verwirklichung kaum der allererste Anfang gemacht worden ist, und anstatt das gesamte System in Bausch und Bogen zu verwerfen, hätten sie lieber versuchen sollen, es aus seinem rudimentären Zustand heraus zu dem in ihm vor־ gezeichneten Ziel hin zu entwickeln. Die Kritiker tadeln mit Recht den beklagenswerten Stand des Thorawissens und den Mangel an jüdischer Substanz und Fülle in der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands. Aber das einfache Rezept, das sie zur Beseitigung dieser Mißstände anbieten, die Trennung von der europäischen Kultur und Wissenschaft und das Zurücksinken ins Ghetto, kann die Heilung nicht bringen. Es ist gewiß ein rührendes Phänomen — und zugleich bezeichnend für das hohe sittliche Niveau der deutschen Judenheit — daß eine bedeutende Gemeinschaft innerhalb des Judentums öffentlich ihre eigene Unzulänglichkeit bekennt, ihrer bisherigen für verfehlt gehaltenen Daseinsweise abschwört und bereit ist, sich der Denkungsart und Existenzform eines anderen Volksteils vorbehaltlos anzuschließen. Aber liegt nicht in solcher Selbstanklage ein gut Teil Uebertreibung? Ist diese Geringschätzung der eigenen Leistung berechtigt und erlaubt? Es wäre ein schweres Unrecht an den Lebenden wie an den vergangenen Generatio-

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