Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Belongs to
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19 hat aber nie eines dogmatisch in den Kreis seiner Ueberzeugungen gezogen. Es liegt ihm unendlich daran, seine Bekenner in dem Bewußtsein einer überall in der Natur waltenden Gesetzmäßigkeit heranzubilden. Ihm, selber durch und durch Gesetz, hat der naturwissenschaftliche Unterricht einen tief ethischen Wert. Je mehr seine Zöglinge in der Einsicht erstarken, wie überall bestimmt gegebene Gesetze walten, jedes Wesen sich nur innerhalb bestimmter, gegebener Gesetze zu dem, was es ist, vollendet, jede Kraft nur in bestimmt gegebenen Grenzen wirkt und nicht durch Willkür, sondern nur in genauer Kenntnis und Beachtung dieser Gesetze der Mensch die Natur seinen Zwecken dienstbar macht und so in Wahrheit nur durch Unterordnung zur Herrschaft gelangt: um so mehr und um so freudiger werden sie auch für die Vollendung ihres Daseins und für ihr eigenes Wirken jeder Willkür entsagen und auch für ihr Sein und Wollen mit freiem freudigem Gehorsam sich dem Gesetze Dessen unterordnen, der auch jedem andern Wesen das Gesetz gezeichnet und dem Menschen nur den freien Pflichtgehorsam als die ihn vor allen adelnde Bestimmung Vorbehalten. Allein das mehr oder minder Adäquate, die größere oder geringere Richtigkeit einer Ansicht von dem irgend einer Naturerscheinung zu Grunde liegenden Naturgesetze hat nichts, hat nicht das Geringste mit dein sittlichen Berufe des Menschen gemein. Daß das Heer des Himmels nach dem Gesetze des Einen-Einzigen sich bewegt, die Erkenntnis ist dem Judentum von unendlicher Wichtigkeit. Allein ob wir uns die Ansicht von diesem Gesetze nach der ptüiemäischen oder kopernikanischen Weltanschauung bilden, ist für die rein sittlichen Zwecke des Judentums vollständig gleichgültig. Das Judentum hat nie aus diesem und Aehnlichem ein Credo gebildet. (Siehe unser Programm des Jahres 1868). Und wenn einmal die allerneueste Anschauung, die die ganze Mannigfaltigkeit des organischen Formenreichtums in ihrem Entstehen auf eine einzige, bildungsärmste, allererste Urform zurückführen zu können vermeint, mehr als was sie noch kaum zur Stunde ist, mehr als eine hypothetische Möglichkeit, für welche bis jetzt keine Tatsache der Wirklichkeit als Zeuge erscheint, geworden sein wird, dann wird der jüdische Gedanke, der Gedanke des Judentums uns nicht wie der Präkone dieser Anschauung zur ehrfurchtsvollen Betrachtung einer vermeintlich noch lebenden Repräsentanz dieser Urform als des ehrwürdigen Urahns unser aller hinrufen, dann wird das Judentum seine Bekenner nur zu