Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Belongs to
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15 von irgend welcher fachwissenschaftlicher Bedeutung in dieser die Zeit so ernst bewegenden Frage abgeben zu wollen. Wir wollten nur den Standpunkt des Judentums zu dieser Frage andeuten, der es ermöglicht, ruhig der Pflege der Jugendbildung auf der linerschütterten Basis seiner Gottes- und Menschenlehre zu leben, Hand in Hand mit einer möglichst wissenschaftlichen Einführung seiner Zöglinge in die naturwissenschaftlichen Errungenschaften der Gegenwart. In der Tat kann ja auch nur ein einigermaßen wissenschaftliches Vertrautwerden mit derselben vor einer sich verirrenden Ueberschätzung ihrer Bedeutung und Tragweite schützen. Nur in den Hallen der Wissenscliaft wird es klar, wie sehr die meisten Annahmen des Tages einer apodiktischen Gewißheit entbehren, wie sehr alles sich nur einer hypothetischen Möglichkeit, höchstens einer Wahrscheinlichkeit sich erfreut, nach welcher, — soweit man heute übersieht, — alles sich so verhält, als ob diese Annahme der Wirklichkeit entspräche. Nur in den Hallen der Wissenschaft erfährt man, wie es kaum eine Naturerscheinung gibt, über welche nicht die verschiedensten Theorien divergieren und wie gerade die gewöhnlichsten Erscheinungen noch ungelöste Probleme der Erklärung bieten, wie überhaupt eine zur Berechnung der Verhältnisse einer Erscheinung genügende Formel nur ein möglichst genaues Abschauen des tatsächlich Gegebenen eines Vorganges enthält, weit ab aber davon ist, eine Einsicht in das Wesen, in den letzten Grund, in das ״Woher“ und ״Warum“ dieses tatsächlich Gegebenen zu gewähren. Nur in den Hallen der Wissenschaft erfährt man, welchem Wechsel die Theorien unterliegen und wie das ja eben den erstaunlichen Fortschritt der Wissenschaft bedeutet, daß, was heute als siegreiche Wahrheit verkündet und von der unwissenschaftlichen Menge mit einem nur der Unwissenschaftlichkeit möglichen, blinden, in verba magistrorum schwörenden Glauben hingenommen wird, die Wahrscheinlichkeit in sich trägt, schon im nächsten Dezennium vom Fortschritt der Wissenschaft überholt und zu den überwundenen Irrtümern gezählt zu werden. Wie elend, wie unsäglich elend wären wir, wenn das, was den Menschen zum Menschen macht, das den ganzen Wert unseres Hierseins bedingt, wenn unser Pflichtbewußtsein und unsere Pflichterfüllung abhängig wäre von den jeweiligen und immer nur zeitlich herrschenden Systemen der Naturerkenntnis! Das Judentum hat so viele überlebt, hat sich mit allen befreundet,