Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 332 (sequence 78)
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den, da man schon in der Türkenzeit Juden wie Araber nur als Bekenner bestimmter Religionen kannte. Die Führer der Kenesseth Israel aber stehen der Religion kühl bis ans Herz gegenüb er 5 sie interessiert lediglieh der politische Einfluß, den das oberste Organ der Kenesseth Israel, der Waad leumi, auszuüben vermag. Dieses oberste Organ, also die Leitung der Kenesseth Israel ist zusammengesetzt aus Persönlichkeiten, die von Religion nicht allzuviel wissen wollen, und trotzdem sind sie nach dem Buchstaben des Gesetzes gezwungen, einer Reli־ gionsgemeinschaft von Englands Gnaden vorzustehen, die naturgemäß keinerlei eindeutig religiöse Bindung kennt. Bei der Gründung der Kenesseth Israel haben fast sämtliche Thoraauto־ ritäten in Erez Jizroel wie auch der Gola — Dr. Dienemann hatte damals noch kein so reges Interesse für Erez Jisroel — sich dahin ausgesprochen, daß die Vorstände der Gemeinden von Kenesseth Israel und ihre sonstigen Organe thoratreu, daß ihr Erziehungswesen nicht areligiös sein dürfte, daß das Frauen- Wahlrecht in einer jüdischen Religionsgemeinde gegen das Thoragesetz verstoße. Die Verfassung und die Praxis von Kenesseth Israel hat diese Forderangen ignoriert. Es kam also dahin, daß diejenigen, denen an Religion sowieso nichts lag, die sie schon längst aus ihrem Leben gestrichen hatten, Mitglieder der Kenesseth Israel waren und diejenigen, deren Leben erfüllt war von Religion, innerhalb der Kenesseth Israel sich, weil sie in Gegensatz zu ihrem religiösen Gewissen stand, unmöglich heimisch fühlen konnten. Der Völkerbund — doch kein Ableger der Frankfurter Austrittsorthodoxie — hat diesem Zustand insofern Rechnung getragen, als er jedem Juden in Erez Jisroel das Recht gab, der Kenesseth Israel nicht anzugehören und sich zu eigenen religiösen Kongregationen zusammenzuschließen. Die aschkenasische Gemeinde mit ihrem eigenen Rabbinat, ihrer eigenen Scheehita, mit eigenen sozialen Institutionen, hat alle diejenigen, die mit ihr gemeinsamer Weltanschauung sind, aufgefordert, ihr beizutreten, oder mit dürren Worten, weil, wie Herr Dr. Dienemann scharf sichtigen Auges erkannte, die Kenesseth Israel in Wahrheit keine Kehillo ist und keine werden kann, mußte der Kehillogedanke sich in die Reihen derjenigen flüchten, die ohne Kehillo ein religiöses Gemeinschaftsleben nicht anzuerkennen vermögen, und das nennt Herr Dr. Dienemann dann, ,Austritts ortho doxie‘ ‘ und ״Separatgemeinde“. Es trifft nicht zu, daß die ״sattsam bekannten Aufrufe“ etwa darum den Austritt aus der Kenesseth Israel verlangen, weil in ihr auch ״Sünder“ und ״Cottesleugner“ seien, sondern deshalb, weil ihre Organe und ihre Verfassung dem Wesen der Thora widersprechen. Nicht gegen die einzelnen Mitglieder, sondern gegen die Organisation als solche wendet sich der Aufruf der Gedolei Hathora aus allen Ländern der Erde, von denen einer freilich auch, der Frankfurter Raw Rabbiner Dr. Breuer זצ״ל war, im übrigen aber auch Thorafürsten aus Erez Jis-