Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 330 (sequence 76)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2551369-2551412-2551417--2395-2553919- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
330 das Religionsgesetz zuerkennt. Von all dem war und ist bis zum heutigen Tage nicht die Rede. Sieh dennoch immer wieder auf den Würzburger Raw berufen, bedeutet eine Irreführung der Unwissenden und, was ebenso schlimm ist, einen traurigen Miß ־ brauch des Namens eines Mannes, der wiederholt nachdrück־ lieh erklärte, ,,daß ein irreligiöser Vorstand vom orthodoxen Judentum nicht als Vorstand anerkannt werden darf und folglieh kein gläubiger Israelite ihm als Mitglied beitreten darf“, (das. S. 529). Dieser nicht zu widerlegende Sachverhalt ist bereits wieder־ holt in der Oeffentlichkeit fest־ gestellt worden. *) Wie sehr wir uns auch bemühen möchten, dem Gegner gerecht zu werden, so fällt es uns doch schwer, an des־ sen Gutgläubigkeit nicht zu zweifeln, solange wir immer wieder solch leichtfertigem Spiel mit ernstesten und heiligsten Anliegen unseres jüdischen Pflichtlebens, und dazu gehört doch wohl unstreitig die Frage der Zugehörigkeit zur Kehilla, begegnen müssen. Die Gemeindeorthodoxie mag auch w ei־ terhin bemüht sein, ihre Haltung zu rechtfertigen. Wenn einst all das, was unsere verworrene, zerrissen e Gegenwart an Unfaß־ barem in sich birgt, und dazu gehört auch die Erscheinung der Gemeindeorthodoxie, der Vergangenheit angehören wird, dann möge dem Geschichtsschreiber Gelegenheit gegeben werden, festzustellen, daß, so bedauerlieh auch die Verirrung des gemeindeorthodoxen Standpunktes, *) S. die ausführliche Würdigung in Is&ac Breuer, Der neue Kusari, S. 221f. seinen Verfechtern immerhin die Achtung vor einer ehrlichen, subjektiven Ueberzeugung, nicht versagt werden könne. Dazu aber ist es dringend geboten, daß man auf hört, sich auf den Würzburger Raw zu berufen, und jeden dahingehenden Versuch mit Entschiedenheit ablehnt. - Das schmerzlichste Erlebnis in Jerusalem. Die ״Jüd. Allgemeine Zeitung“ bringt aus der Feder Dr. Dienemanns Beobachtungen aus seiner Palästinareise, die als eine Art Informationsreise für den jüdisch־religiösen Liber alismus gedacht ist. Einiges aus diesen Beobachtun־ gen verdient niedriger gehängt zu werden. Aus einem im Juni 1936 aus Jerusalem datierten Briefe Dr. Dienemanns entnehmen wir folgende bemerkenswerte Tatsache: Während auf weitem Erden־ runde die ganze Judenheit an den schweren Geschehnissen in Erez Jisroel teilnimmt, die jüdi־ sehen und nicht jüdischen Z eitun־ gen über das Leid berichten, das über Tausende unserer BrüdeT hereingebrochen ist und alles sehnsüchtig der Befriedung harrt, verbreitet sich Herr Dr. Dienemann dar üb er: ״daß es Rabbiner in Jerusalem gibt, die nicht zur Kehillo ge־ hören, d. h. aus ihr ausgetreten sind, ohne daß sie der Separatgemeinde, dem Ableger der Frankfurter Austritts- Orthodoxie beigetreten seien. Ein toller Zustand. Man begegnet auch hier den sattsam bekannten Aufrufen, daß es Pflicht jedes Juden, der fromm sein will, ist, daß er aus der