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Nahalat tsevi · 1936-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1936) · p. Seite 324

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 10-12 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 324 (sequence 70)
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324 Wort bezeichnen: Sie sei für seine Nation ״der erste Schritt zur Cultur“.144) — Neuere Veröffentlichungen und ihnen angeschlossene Forschungen haben erwiesen, daß sich Mendelssohn in seinen früheren Jahren in jüdischem Kreise schriftlich — und also aller Wahrscheinlichkeit nach erst recht mündlich — des Jüdisch- Deutschen bediente.145) Dies entspricht der oben gekennzeichneten Zweiteilung seiner Lebenssphären. Seine später erfolgte Wandlung, die ihn zu einer bewußt aufklärerischen Beeinflußsung der Judenheit veranlaßte, bestimmte auch seine veränderte Stellungnahme zum Jüdisch-Deutschen. (Die Gründe dieser Wandlung sollen später erst untersucht werden). Die eben beschriebenen Wandlungen im Denken und Werten der jüdischen Gesellschaft sind als Symptome einer schon erfolgten Assimilation anzusehen. Das Umdenken und Umwerten hatte aber auch gleichzeitig die Möglichkeit erbracht, eine Ideologie, d. h. eine Rechtfertigung der Assimilation zu begründen. Da die Forderungen der Aufklärer im Namen eines allgemein geltenden menschlichen Ideals erhoben wurden, erhielten sie die Würde einer ethischen Forderung. Die Bestrebung, sich an seine Umgebung anzugleichen, erschien als die Herausbildung vofgegebener Anlagen, die bisher aus äußeren Gründen nicht zum Vorschein kommen konnten. So wurde die Assimilation gleichzeitig als eine Besinnung auf eigene Werte auf gef aßt, die erst wieder entdeckt werden mußten. Daß die Bildung einer solchen Ideologie möglich wurde, hängt ebenso mit der geistesgeschichtliehen Lage der Umwelt zusammen, wie andererseits die gesellsdhaftliche Angleichung erst durch die besonderen Umstände der sozialgeschichtlichen Lage möglich wurde. Für die gesellschaftliche Angleichung hat sich die Auflockerung der ständischen Bindungen und die sich daran knüpfenden gesellschaftlichen Neubildungen als ausschlaggebend erwiesen. Für die ideologische Begründung der Assimilation bildet die — in ihrer Entstehung von der gesellschaftlichen Lage nicht ganz unabhängige — menschliche Aufgeschlossenheit des aufklärerischen Denkens den äußeren Rahmen ihrer Möglichkeiten. Das gesellschaftsbezogene Denken der vorassimilatorischen Zeit ist durch den Gegensatz zwischen Christen und Juden be- 144) Kayserling, a. a. O. S. 285. 145) Haim Boradianski: ״Einleitung zu Mendelssohns hebräischen Schriften‘4, S. XXV. Jubiläumsausgabe der Mendelssohn’schen! Schriften 1929, Bd XVI.

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