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Nahalat tsevi · 1936-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1936) · p. Seite 323

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 10-12 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 323 (sequence 69)
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s ז 323 talmudische Geistigkeit im Sinne eines gesellschaftsbildenden Mediums, das von Mensch zu Mensch durch gemeinsames geistiges Interesse eine Verbindung schafft, war eine ausschließlich jüdisehe Angelegenheit. In der nichtjüdischen Gesellschaft, selbst unter den Gelehrten, bestand für den Talmud kein Interesse. Für hebräische Sprache, besonders für das alte Testament, interessierte sich die deutsche Aufklärung, die in einem bestimmten, später zu erörternden Sinne, theologisch gerichtet war. Im einzelnen ist noch nicht untersucht, wie weit der Einfluß Herders, der auf den ästhetischen Gehalt der alttestamentarischen Sehrif־ ten aufmerksam machte, die biblischen Studien der jüdischen Aufklärer bestimmte. Ohne Zweifel aber hat die Interessiertheit der außer jüdischen Welt der Gebildeten für Hebräisch und für das alte Testament dem Studium mit diesen den Charakter des Allgemeingültigen, des nicht bloß Jüdischen verliehen. Wer, wie auch Wessely, die Synonymik der hebräischen Sprache erforschte, konnte des Glaubens sein, daß ihn etwas beschäftigte, was auch andere, nichtjüdische Gebildete anging, im Gegensatz zu dem, der bloß über ״spitzfindige! Auslegungen des Gesetzes brütet“, d. h. Talmud studierte. Als eine selbstverständliche Folge dieser Haltung ergab sich der Kampf gegen das Jüdisch-Deutsche. Die Notwendigkeit dieses Idioms als Vermittlungssprache der talmudischen Literatur ist geschwunden, da das geistige Interesse von der letzteren durch andere Gegenstände abgelenkt wurde. Das Jüdisch-Deutsch erfuhr dann eine abschätzige Bewertung, weil mit ihm eine gesellschaftliehe Beengung verbunden erschien, gegen die sich das Streben der Aufgeklärten, die der ״Weite“ der Aufklärungselite zustrebten, richtete. Wessely bezeichnet das Jüdisch-Deutsch als eine Sprachverstümmelung, die ״eines gesitteten Menschen Ohr auf das härteste beleidigt“.143) Der Begriff des gesitteten Menschen, dessen Merkmale nach dem Ebenbild der zeitgenössischen Gebildeten bestimmt wurden, erforderte die Betonung der ״Reinheit der Sprache“. Die tatsächliche Zugehörigkeit zur Elite der Gebildeten war ohne die Beherrschung des Hochdeutschen nicht möglich. Von dieser gesellschaftlichen Funktion des Hochdeutsehen, der das Jüdisch-Deutsche nur eine Hemmung bedeutete, erfuhr letzteres seine Minderbewertung. So konnte Mendelssohn seine hochdeutsche Pentateuchübersetzung mit dem viel angeführten 143) Wessely, a. a, O. S. 17.

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