Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 322 (sequence 68)
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besondere Bedeutung für diejenigen, die von außen dieser Gruppe zustreben und ihre Aufnahme in diese Gruppe durch das Fehlen der Gewandtheit behindert sehen. Daher wird von den Aufklärem die ״Verfeinerung der Sitten“ mit dem Pathos einer ethischen Forderung verlangt. Wessely schreibt an die österreichischen Juden: ״Alles dasjenige, das die Kennzeichen eines unterdrückten Menschen trägt, vermeidet mit Sorgfalt. Unwissen־ heit in den gewöhnlichsten und ersten Kenntnissen des Menschen, übler Anstand in euerem Aussehen u. m. konnte euere vormahlige Verfassung entschuldigen. Jetzt ziemt es euch, durch Reinigkeit der Sitten und Sprache und Feinheit in den Manieren das An־ sehen eines freien Menschen anzukündigen.“ 139) Die Wandlung in der Bewertung der Bildungselemente außerjüdischen Ursprungs war nicht die einzige Folge der Selbst־ Zurechnung zu einer außerjüdischen Gesellschaft. Selbst die ursprünglichen jüdischen Bildungselemente wurden unter dem Einfluß der außer jüdischen Wertsetzungen nach einem neuen Gesichtspunkte beurteilt. Wir sahen schon oben, daß Wessely dem Talmudstudium seinen allen anderen Gegenständen gegenüber behaupteten Vorrang streitig machte. Das nun nicht etwa ausschließlich zugunsten von außerjüdischen Wissensgebieten, sondem auch zugunsten der biblischen Bücher,140) deren Studium bei den Juden der vorassimilatorischen Zeit eine zweitrangige Rolle spielte. Ebenso wurde durch die Aufklärer die Beschäfti־ gung mit der hebräischen Sprache und ihrer Grammatik gepflegt. Es entstand ein Kreis von Liebhabern der hebräischen Poesie, die sich selbst in hebräischen Dichtungen versuchten. Diese Umstellung in Bezug auf das jüdische Schrifttum hat dazu Anlaß gegeben, in dieser Periode eine von innen kommende Erneuerung des Judentums zu erblicken.141) In Wirklichkeit liegt die Abkehr vom Talmud zugunsten der Bibel auf der Linie der Hinwendung zum Universalistischen und Aufgabe de& Besonderen-Jüdischen. Wessely hatte denjenigen, dem es an ״geselligen Tugenden“ fehlte, umschrieben als einen, ״der sich in allem seinem Thun und Lassen von den Uebrigen unterscheidet, den nichts interessiert, was diesen angeht, der nur immer bloß über spitzfindige Auslegungen des Gesetzes brütet“.142) Die 139) Wessely, a. a. O. S. 23. 140) Wessely, a. a. O. S. 33. Vgl. Karpeles, a. a. O. d. entspr. Kap. 141) Vgl. Grätz, a. a. O. Bd. XI, S. 116 ff. 142) Wessely, a. a. O., S. 6.