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Nahalat tsevi · 1936-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1936) · p. Seite 280

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 10-12 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 280 (sequence 26)
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28Ö erkannten es nicht so klar, aber auch sie wollten durch eine radikale Reform des Judentums, die in einer möglichst totalen Angleichung an die Glaubensformen der christlichen Umwelt bestand, die Rückkehr mittelalterlicher Verhältnisse verhindern. Die ganze Reform stellt eigentlich Präventivmaßnahmen dar, die einer Rückkehr ins Ghetto Vorbeugen sollten. Darum sollte man von dem Judentum so wenig als möglich merken. Im Leben draußen sollte das Judentum verfchwinden; das Golus, das nach dem Worte der Weisen nur darum so bitter empfunden wird, גלתה יהודה מעוני וכי או״ה אינן גולין אלא שאין איכלין מפתם ואין שותים מיינם גלותם גלות sollte dadurch beseitigt werden, daß man wohl von ihrem Brote aß und von ihrem Weine trank, und auch im Inneren d. h. in den Tempeln sollte ein Kultus eingeführt werden, dem man seinen jüdifchen Ursprung so wenig als möglich anmerken sollte. Dies waren die ״neuen Wege", die aber nicht das alte Ziel im Auge hatten, das Judentum zu erhalten, sondern die neuen Wege sollten auch zu neuen Zielen hinführen, und das neue Ziel war die tatsächliche Assimilation, das Aufgehen des jüdifchen Volkes in seine Wirtsvölker, d. h. das jüdifche Volk als solches sollte überhaupt verfchwinden. Der Begriff ״jüdifches Volk״ ״jüdifche Nation״, so erklärte man, hatte nur Berechtigung, so lange wir als Volkseinheit in einem eigenen Staate lebten, in der Diaspora sind wir bloß noch eine Religionsgemeinfchaft, und diese Gemeinfchaft bestand darin, daß man auch die Religion strich. Ich würde mich mit dieser Richtung nicht so' lange befassen, wenn ich nicht sehen würde, daß noch heute die Vertreter dieser Richtung das große Wort führen, daß sie nicht vom Forum verfchwunden sind, sondern in führender Stellung das Schicksal des Judentums rnitbestimmen wollen, wo doch ihre Richtung so unendlich kläglich zusammengebrochen ist. Es ist bezeichnend für den ganzen geistigen Jammer unserer Zeit und für den erfchütternden Mangel an Charakterfestigkeit, daß Männer, die die Wortführer der Assimilation waren, noch heute Anspruch erheben, das Judentum zu führen, das sie so in die Irre geführt haben. Denn ihr ״neuer Weg" endete nicht erst im Jahre 1933 in einer Sackgasse. Schon viel früher zeigte es sich, daß dieser Weg ungangbar ist. Er sollte doch der Rückkehr ins Ghetto Vorbeugen, den Judenhaß beseitigen, und es zeigte sich, daß er gerade im Gegenteil dem Judenhaß stets neue Nahrung bot und daß die versuchte Assimilation alle Kräfte der Reaktion bei unseren Wirtsvölkern auf den Plan rief. Dies rechtzeitig erkannt zu haben, ist ein Verdienst des Zionismus. Die Völker

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