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Nahalat tsevi · 1936-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1936) · p. Seite 279

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 10-12 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 279 (sequence 25)
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119 lagen zu stellen. Wenn wir von ״neuen Wegen" sprechen, so hat dies als selbstverständliche Voraussetzung, dab nur die Wege neue sein sollen, aber das Ziel das alte; und zwar: unsere Erhaltung als Juden. Jahrtausende haben wir geduldet, Jahrtausende tiefster Erniedrigung mit unvergleichlichem Heroismus ertragen, Inquisition und Autodafes überdauert, weil wir als Juden leben wollten, weil wir von der felsenfesten Überzeugung durchdrungen waren, dab wir geistige und seelifche Werte in uns tragen, die wir unter allen Umständen erhalten müssen, weil von ihnen nicht nur unser Wohl, sondern das Heil der ganzen Menfchheit abhängt, weil wir in der Thora Ewigkeitswerte besitzen, die uns einfach nicht sterben lassen, die uns stets Flügel wachsen lieben und uns stets hoch hinaushoben über jeden Staub, jede Last, hoch über Grab, Tod und Schicksal, hoch hinaus über die Welt der Erfcheinungen, dorthin, wo die Seele nicht mehr sieht, nichts mehr weih, sondern nur noch ahnt, fühlt, beseligt ist und sich verbeugt und in stummer Andacht anbetet und alles hinnimmt, was ihr befchieden wird. Rein verstand esmäbig kann man sich das Überdauern des Mittelalters gar nicht erklären. Der Wille zum Leben als Jude war stärker als der uns zugedachte tausendfache Tod. Ein Wort hätte zu dieser Zeit dem ganzen Elend ein Ende machen können, aber auch uns. Wir hätten nur unser Judentum abfchwören müssen und die Welt hätte uns mit offenen Armen empfangen. Dab wir das Wort nicht gesprochen haben, gefchah darum, weil wir noch als Juden leben wollten, weil wir in unserer Thora die feste Bürgfchaft hatten, dab wir leben werden, dab sie uns tragen wird, bis das Ziel erreicht sein wird, um dessentwillen wir als ״Nation aus der Mitte einer Nation" erlöst wurden und als ״Volk unter Völkern" leben müssen. Und als die Menfchheit den groben Freiheitstraum träumte, da sprachen einige Enthusiasten von einer Verbrüderung der Gesamtmenfchheit. Auch uns Juden wurde die Bruderhand gereicht. Das Judentum ward emanzipiert. Und was taten die Juden? Wie sahen die ״neuen Wege" aus, die nun befchritten wurden, um das jüdifche Volk zu erhalten? Man emanzipierte das Judentum, und aus Dankbarkeit opferte die Westjudenheit ihr Judentum. Um den Preis hätten wir die Gleichberechtigung fchon unter Ferdinand und Isabella haben können! Die neuen Wege führten nicht zum alten Ziele, sondern sie führten aus dem Judentum heraus. Die Reformbewegung, die von der deutlichen Judenheit ausging, hatte die Auflösung des Judentums zum Ziele. Viele sprachen es deutlich aus, und andere

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