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Nahalat tsevi · 1936-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1936) · p. Seite 275

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 10-12 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 275 (sequence 21)
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275 Brunnen pilgert, aber keinen findet, der alles aus ihr Strömende erfaffen könnte. So gewaltig wirkt die Sehnfucht in ihr. Wiederum follie es die einzige Aufgabe der jüdifchen Schule fein, diefe Sehnfucht im Kinde zu wecken. Allerdings ein eigenartiges Thema für die Zeit der ״drei Wochen'. Denn in diefer Zeit follte das jüdifche Kind Ferien haben. Ein eigentümlicher Gedanke liegt diefem Gebrauch zu Grunde. Bekanntlich befindet fich die Lehrperfönlichkeit immer einem doppelten Heiligtum gegenüber, dem Heiligtum des Kindes und dem des Buches. Dem Buche das Kind und dem Kinde das Buch zu bringen, das ifi Programm der jüdifchen Schule. Und nun fürchtete man, daß die Lehrperfönlichkeit, von der Trauer um Zion in diefen Zeiten befonders ftark beherrfcht, diefem Heiligtum nicht ganz gerecht werden möchte, er möchte, fo forgte man, das heilige Lächeln vom Antlitz des Kindes bannen und ihm durch allzu grobe Strenge den Weg zum Buche verbauen. Er möchte vergehen, fo glaubte man, dab ein jüdifches Kind felbft am Nachmittage des 9. Av fpielen foll. Denn die Empfindung, mit der ein Thorakind an alle Ercheinungen des Lebens herantreten foll, ift Freude, angefangen von feinem Verhältnis zu feinem Schöpfer (vgl. Pfalm 100, 2) über alle Erfcheinungen der Natur, des Dafeins hinweg bis zu feinem eigenen Selbft. Jüdifche Kultur ift eine Kultur der Freude, das ift die merkwürdige Lehre der drei Wochen mit ihrer Ferienordnund. Es liegt die Gefahr nahe, dab die Zeitumftände dem jüdifchen Kinde die Freude am Judentum verderben. Sehen wir doch fo oft, wie im beften Fall der Gueufenftolz eines Enterbten fich geltend macht. Es gäbe ein Gegenmitel, wenn die Schulleitungen, insbefondere die der orthodox geleiteten Schulen fich an der oben genannten Ferienordnung dem Geifte nach orientieren möchten. Es kommt gerade heutzutage alles darauf an, die Freude am Judentum zu fteigern. Das gili felbft für die Juden der Länder, in denen ein trunkenes Eintauchen in die Kultur der Umwelt ein vollgerüttelt Mab von Befriedigung gewährt, das gilt doppelt von Paläflina; es foll ja dort eine ganz eigene Spezies des jüdifchen Menfchen heranwachfen. Es läbt fich denken und begreifen, dab die verfchiedenften Schulwerke dort an der Arbeit find, um ihren Zöglingen Wiffen in denkbar gröbtem Umfange zu vermitteln; die Darbietung diefes Wiffens von jüdifchen Lehrperfönlichkeiten im Gewände des Iwrith macht diefelben noch nicht zu Stätten jüdifcher Kultur. Es wäre fogar denkbar, dab fich auch in diefe Schulfäle ein gefährlicher Reft der alten Angleichungsfucht verirrt. Täufehen

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