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Nahalat tsevi · 1936-07-01 · Heft 10-12 (Juli 1936) · p. Seite 273

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 10-12 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 273 (sequence 19)
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273 Man vergaß, daß auch sonst im Leben zwischen Gleichgesinnten, ja zwischen sich gegenseitig zärtlich liebenden Ehegatten in irgend einem Punkte eine Meinungsverschiedenheit sich geltend machen kann, die aber die gegenseitige Zuneigung, die unverbrüchliche Treue und Liebe zueinander durchaus nicht schwinden macht. Man vergaß, daß diese Verschiedenheit der Auffassung, wann und wo sie sich fand, rein Pschem schomajim war und ausschließlich im Dienste unserer heiligen Sache stand. Man vergaß, daß nach dem Ausspruch unserer Weisen jeder Meinungsstreit früher oder später sein Ende findet — nur mit dem Unterschiede, daß bei allen Meinungsdifferenzen, die nicht Pschem schomajim obwalten, das Ende nicht von bleibendem Bestände sein kann, während bei dem Kampfe der Gedanken, der Pschem schomajim geführt wird, wenn einmal das Ende erreicht ist, wenn die Ansichten sich geklärt, wenn die Wahrheit, die doch nur auf einer Seite liegen kann, zum Durchbruch gekommen ist, der alte Streit vollkommen aus dem Gesichtskreis schwindet und dann dem einmütigen Zusammenwirken Platz machen muß. Die Ereignisse der jüngst vergangenen Jahre haben vielen unserer gesetzestreuen Brüder allenthalben die Ueberzeugung aufgedrängt, daß es endlich an der Zeit sei, zur Erhaltung unseres bedrohten Heiligtums sich zu einigen und zu sammeln, Schulter an Schulter für die unverkürzte Erhaltung unserer heiligsten Güter einzutreten, und hervorragende Gesinnungsgenossen haben in weiser Würdigung der bestehenden Verhältnisse die ״Freie Vereinigung“ auf Grund ihrer bisher erzielten Errungenschaften als geeigneten Boden für eine solche Einigung und Sammlung der Kräfte im gesetzestreuen Judentum erkannt. Und in der Tat liegt doch die Förderung der Interessen, die diese Vereinigung sich als Ziel gesteckt, uns allen nur an die thoratreuen Kreise, die der Freien Vereinigung bis dahin fernstanden, weil sie mit der Forderung ihres Vorsitzenden nicht einverstanden waren, der es, wie es in dieser Rede ausdrücklich heißt, ablehnte, mit Körperschaft ten und deren Vertretern, die auf einem grundsätzlich verschiedenen Boden stehen, in religiöser Beziehung zu gemeinsamer Arbeit sich zu vereinigen. Dies galt von der Haltung Rabb. Breuers gegenüber der Gemeindeorthodoxie und ihren rabbinischen Führern. Diese Haltung wurde auch nach der Erweiterung der Freien Vereinigung beibehalten. Hier begrüßte es Rabb. Breuer, daß nunmehr Männer, die in diesem einen Punkte anders dachten als er, dennoch in die Freie Vereinigung zur gemeinsamen Arbeit eingetreten waren.

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