Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 251 (sequence 61)
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%5\ Judentums wider. Da für die Bewährung des Juden als Mensch auch ein außerjüdischer Gesellschaftsraum bestimmt wird, muß das in diesem Raum geltende Ideal als Maßstab der Bewährung anerkannt werden. Daher das Eintreten Wesselys für die ״Bildüng“ und die ״geselligen Tugenden“, die für den Verkehr im außer jüdischen Gesellschaftsraum unerläßliche Voraussetzungen bildeten. In dieser Bestrebung Wesselys und seiner Gesinnungsgenossen zeigt sich ein neuer Umstand, der für die Gestaltung des Lebens der Juden von dieser Zeit ab von hervorragender Bedeutung wurde. Die Gleichsetzung mit einem außer jüdischen Ideal, die sich aus der Zugehörigkeit zum außerjüdischen Gesellschaftsraum ergab, bewirkte, daß für die Beurteilung der eigenen Lebensformen ein außerhalb der jüdischen Lebenssphäre liegender Standort eingenommen wurde. Diese Lage wird am besten dadurch charakterisiert, daß von nun ab die in der außerjüdischen Gesellschaft geäußerten Meinungen über die Juden und das Judentum wohl beachtet werden, und daß man es versucht, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Diese Auseinander- Setzung ist jetzt nicht zu vermeiden, denn die Aeußerungen über Juden und Judentum werden von einem Standpunkt aus getan, der grundsätzlich auch für den Juden gilt, nämlich von dem Standpunkt eines allgemein menschlichen Ideals. Die vorassimilatorische jüdische Gesellschaft hatte sich, wie schon oben gezeigt, auf eine Auseinandersetzung über Glaubensfragen nicht eingelassen und auf die ihr gemachten Vorwürfe wegen angeblicher Immoralität nicht geantwortet. Auseinander- Setzungen wurden für aussichtslos und gefahrvoll gehalten. Die Vorwürfe trafen die Juden nicht, da sie, wie das noch gezeigt werden soll, ihre Verhaltungsweise subjektiv für rechtmäßig empfanden. So entstand eine eigenartige seelische Haltung, die aus dem Glauben an die eigene Ueberwertigkeit eine subjektive Rechtfertigung erfuhr, die aber vollkommen darauf verzichtete, diesen Glauben auch anderen gegenüber geltend zu machen. Darauf beruht wohl die Beobachtung der Zeitgenossen, daß die Juden sehr viel Stolz133), aber kein Ehrgefühl134) haben. (Wird fortgesetzt.) 133) ״Die Juden haben“, schreibt Michaelis, ״sehr viel Nationalstolz, wozu ihr Begriff von sich als dem Volke Gottes wol nicht wenig beyträgt, ich will aber auch nicht widersprechen, wenn man einen