Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 250 (sequence 60)
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250 wenn er verständig und gerade ist, wenn er die Wissenschaft der Thor ah richtig versteht, auch wenn er keine Wissenschaft und Bildung in den Sprachen der Völker erlernte? Der soll bar der Wissenschaften des Menschen heißen? Die Worte der Weisen lehren ihn doch den rechten Weg, die Moral der Schrift und die Worte unserer geheiligten Lehrer, der Verfasser des Talmuds sagen ihm doch, wie sein Umgang mit den Menschen, sein Benehmen, die Geradheit des Herzens und seine Neigungen sein sollen .... Vielleicht aber sind seine Worte gegen jene Männer gerichtet, die sich von den Nichtigkeiten dieser Welt absondern, die die Kostbarkeiten dieser Welt verachten, die Gesellschaften der Zeitgeborenen hassen und ihren Leib allein dem Dienste Gottes weihen: Wenn er gegen diese seine Hand erhob, verdorren möge seine Hand!“132) Man sieht!an diesem leidenschaftlichen Ausbruch, daß die Tragweite der Wessely sehen Forderungen richtig erkannt wurde. Das traditionelle Judentum in seiner vorassimilatorischen Ausprägung kannte kein besonderes Ideal vom Menschen, das nicht schon im Ideal vom Juden enthalten gewesen wäre. Man war sich, wie die letzten Sätze Tebeles zeigen, dessen bewußt, daß die Verwirklichung dieses Ideals nur in der gesellschaftlichen Ab- Sonderung von der Umwelt vorsichgehen kann. Das hinderte aber nicht daran zu glauben, daß gerade in dieser Absonderung die Möglichkeit zur Verwirklichung des höchsten Menschentums, dessen ein Jude fähig ist, gegeben ist. Wessely, der sich schon auch als das Glied einer außerjüdischen Gesellschaft empfand, einer Gesellschaft, die gerade in der Anerkennung eines für alle Menschen gültigen Ideals ihr letztes Streben sah, nahm dieses Ideal auch für den Juden an. Somit stellte Wessely an die Seite des hergebrachten jüdischen Ideals, in welchem höchstes Menschentum und Judentum identisch sind, ein autonomes Ideal vom Menschen, das neben dem Ideal vom Juden seine Geltung haben soll. In der Setzung dieses Doppel-Ideals spiegelt sich die ganze dualistische Lage des schon assimilierten 132) Die Predigt, der diese Stelle entnommen ist, ist abgedruckt bei Lewin, a. a. O. Der hebräische Text lautet: ,על מי מהר,תשים העיז פגים מי מלומדי חוקי אלקים ונוהג על פיהם אשר הוא איננו לתפארת בתור אדם, אם הוא משכיל וישר ומבין מדע התורה על בוריו ואף אס לא למד נמוסיות וד״א ללשונותיהם. הלזה יקרא נעדר מתורת האדם. הלא דברי חכמים יורוהד בדרך טלולה, מוכרי המקראות ודברי רבותינו הקדושים בעלי הש״ם יגידו לאדם מה שיחו עם הבריות התנהגותו וישרות הלב ונטיתו...... ואולי דבריו מכונים אל האנשים אשר פרש! .מהבלי התבל, מאסו בשכיות החמדה ושנאו חברת ילידי הזמן והקדישו את גויתם אך לעבודת השם יתעלה, אם על אלה הרים ידו, ידו תיבש.