Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 249 (sequence 59)
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unter anderem auch einen neuen Erziehungsplan für die Juden aufstellte, bestimmen. Es ist heute erwiesen, daß die Gegner Wesselys keine Gegner der geplanten Erziehungsreform waren.129) Sie wollten der Forderung, ihre Kinder in der deutschen Sprache und gewissen Elementarfächern zu unterrichten, nachkommen. Was bisher nur Einzelnen nützlich und nur Wenigen möglich war, sollte mit der finanziellen Hilfe des Staates, mit der gerechnet wurde, verallgemeinert werden. Mit umso größerer Wucht traf die Empörung den theoretischen Begründer der Erziehungsreform, Wessely. Seine Theorie von den zwei Arten der Wissenschaften und ihrer durch Wessely gegebenen Bewertung zog die pädagogische Folge nach sich, daß in der Unterrichtspraxis den ״Wissenschaften des Menschen“ der Vorrang gebühre. So wollte er in den Fächern der allgemeinen Bildung alle Kinder unterrichtet wissen, im Talmud aber nur die dazu besonders Begabten.130) Wenigstens wurde er von seinen Gegnern so verstanden imd konnte nach dem Wortlaut seiner Schrift nicht anders verstanden werden. Sein Versuch, seinen Worten nachträglich einen anderen Sinn zu geben, muß daher als ein Rückzug angesehen werden.131) Das mag aber auf sich beruhen. Wichtig ist zu erkennen, daß die Vertreter des vorassimilatorischen Judentums wohl den Unterricht in profanen Fächern gestatteten, aber ihm eine erzieherische Rolle nicht zubilligen wollten. Die Bildung des jüdischen Menschen sollte weiter durch die Pflege der jüdisehen Lehre erfolgen. Daher wurde die Theorie Wesselys, die dem nichtjüdischen Wissen einen dem jüdischen ebenbürtigen, wenn nicht ihm überlegenen Bildungswert zuerkannte, in aller Entschiedenheit abgelehnt. Mit besonderer Schärfe aber wurde die Behauptung Wesselys bekämpft, daß auch die gründlichste Vertief 1mg in die jüdische Lehre und die peinlichste Beobachtung ihrer Vorschriften den Juden noch nicht dem Ideal des Mensehen näher bringe, sondern daß dazu noch besondere, durch die Erwerbung außer jüdischen Wissens zu erstrebende Werte nötig seien. Mit Entrüstung fragte ihn David Tebele, der Rabbiner in Lissa: ״Gegen wen unter den Geheiligten erfrecht er sich? Wer ist unter denen, die die Gesetze Gottes erforschen und sich nach ihnen richten, nicht auch eine Zierde als Mensch, 129) L. Lewin: ״Aus dem jüdischen Kulturkampf“, Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft 1918. 130) Wessely, a. a, O. S. 44 ff. 131) Vgl. Lewin, a. a. O. S. 171.