Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1936-04-01 · Heft 7-9 (April 1936) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VI (5696) 1935/36
Issue
Heft 7-9 (April 1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 237 (sequence 47)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551412-2551416--2297-2553820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

237 lichem Zwang geschah, sollte fortan freiwillig erfolgen: frei־ willig sollten Thoratreue als Mitglieder der Reformgemeinde, d. h. der Gemeinde der von Gottes Thora Abgefallenen, verharren. Rabbiner Hirsch und mit ihm 400 Rabbiner erklärten eine solche freiwillige Zugehörigkeit zur Reformgemeinde für religions־ gesetzlich verboten, sprachen einer Gemeinde, die den Abfall von Gott und Gottes Thora auf ihre Fahne geschrieben, den Charakter einer jüdischen Gemeinde ab, woran auch die Tatsache nichts ändern könne, daß sie neben dem Altar des Abfalls von Gottes Thora auch den Altar der Gottesheiligung errichtet, da in deren gleichberechtigter Geltung eine unmögliche Verquickung von Lüge und Wahrheit erblickt werden müsse, die von keinem gewissenhaften Jehudi gefördert werden dürfe. Diese von der Reformgemeinde gewährten Institutionen traten ins Leben. Und leider verblieben thoratreue Kreise im Verbände der Reformgemeinde. Das war die Geburtsstunde der sog. Gemeindeorthodoxie. Rabbiner Breuer s. A. nannte sie mit Recht Reformgemeindeorthodoxie. Der Name bezeichnet die vollendete Unmöglichkeit einer solchen Erscheinung. Ihre Existenz bedeutete nicht nur die schwerste Gefährdung der durch Rabhine־’ Hirsch geschaffenen Kehilla, sondern auch eine verhängnisvolle Trübung aller jüdischen Wahrheit. Fortan mußte die ganze Kraft Rabbiner Hirschs der Abwehr dieser Gefahr gelten. Er wäre nicht der wahrhafte Wächter seiner Kehilla gewesen, wenn er nicht alles daran gesetzt hätte, um diese Gefahr zu bannen. Unausgesetzt war er bemüht, in Wort und Schrift seine Kehilla über das Wesen der wahrhaften Kehilla zu belehren und vor den Gefahren zu warnen, die in jener unseligen Verbindung von Lüge und Wahrheit der jüdischen Gewissenhaftigkeit und der Reinheit des jüdischen Bewußtseins drohen. Und auch sein Nachfolger im heiligen Wächterberuf hat die Fahne der Gotteswahrheit mit starker Hand auf den Mauern seiner Kehilla gehißt und um deren Reinerhaltung vor jeder Trübung mit unbeugsamem Mut und eherner Festigkeit gekämpft. Rabbiner Hirsch aber folgte der Eingebung seiner um die Erhaltung und Festigung der Kehilla treusorgenden Seele und entschloß sich zu einer Haltung, die wahrlich nicht aus Lieblosigkeit oder Engherzigkeit floß: er hat es abgelehnt, den Rabbiner der Gemeindeorthodoxie zu empfangen, hat jede Anknüpfung auch nur gesellschaftlicher Beziehungen mit dem Rab-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.