Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 236 (sequence 46)
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236 deren Verbreitung und Erfüllung sie ihre ganze Persönlichkeit einsetzten. Ein vielleicht kleiner und doch bedeutsamer Zug aus der rabbinischen Wirksamkeit Rabbiner Kirschs s. A. mag diese Wächteraufgabe unserer jüdischen Führer beleuchten. Mit unvergleichlicher, aufopfernder Hingabe hatte Rabbiner Hirsch, mit ״Schwert und Kelle“ in der Hand, Stein auf Stein zum Aufbau seiner Kehilia gefügt. Eine blindwütige Reform hatte die einst heilige, herrliche Frankfurter Gemeinde unter ihre Leitung gebracht, Synagoge, Kanzel und Schule in den Dienst des Abfalls von Gott und Thora gestellt und einen weiteren Verbleib der thoratreuen Kreise zu einem unerträglichen Gewissensdruck gestaltet. Diese Gemeinde hatte damit auf gehört, jüdische Gemeinde zu sein. Ein Ausscheiden aus ihr war zunächst durch staatlichen Zwang unmöglich. So mußte denn der heroische Versuch gemacht werden, im Schatten dieser unjüdischen Gemeinde, in fortgesetztem Kampf gegen den fanatischen Haß der in ihr herrschenden leitenden Kreise, eine Gottesgemeinschaft aufzubauen, die sich von Anfang an mit vollem Recht als Fortträgerin der alten Frankfurter Kehilia begriff. Diesem Versuch war mit Gottes Hilfe ungeahnter Erfolg beschieden: eine, wenn auch zahlenmäßig kleine, aber desto stärker gefügte Kehilia, die in opfervoller Hingabe alle Institutionen einer wahrhaften Kehilia in vorbildlicher Weise sich schuf, war die Frucht der gottgesegneten Arbeit Rabbiner Hirschs. Aber noch lastete auf ihr als schwerster Gewissensdruck die vom Staat geforderte zwangsläufige Zugehörigkeit ihrer Mitglieder zur Gemeinde der von Gottes Thora Abgefailenen. Da errang Rabbiner Hirsch den großen Sieg, der seine Lebensarbeit krönen sollte. Der Staat gewährte durch Gesetz die Möglichkeit des Austritts aus einer Gemeinde, gegen deren Grundsätze das Gewissen der Mitglieder sich auflehnt. Und nun geschah das Ueber- ס ס raschende: aus Furcht, daß alle Mitglieder, die Gottes Thora noch Gehorsam zollten, sich von der ״Israelitischen Gemeinde“ lossagen würden, machte nunmehr die Leitung dieser Gemeinde, die bis dahin selbst den bescheidensten thoratreuen Ansprüchen herzlos und roh sich verschloß, ihren thoratreuen Mitgliedern das Angebot, ihnen nunmehr alle Instutionen, die sie zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse benötigten, bereitzustellen, um ihren Austritt zu verhindern und damit die Kehilia Rabbiner Hirschs in ihrem Lebensnerv zu treffen. Was bisher unter Staat-