Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 233 (sequence 43)
- Belongs to
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235 Gewissen nicht vertrage, für diesen Zweck als Mitglied innerhalb einer Reformgemeinde zu verharren. Denn die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, die den Abfall von Gatt und seiner heiligen Thora auf ihre Fahne geschrieben hat, bedeutet ein Bekenntnis zu den das Judentum in seiner Grundlage erschütternden Prinzipien, die dieser Gemeinde das Gepräge geben. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß die Lehrer und Wortführer des traditionellen Judentums in solchen Gemeinden und Verbänden ihre Stimme erheben und ihre hingebende Mitarbeit leisten; ausschlaggebend ist und bleibt auch da, ob ihre Stimme Beachtung findet und ihre Arbeit die Anerkennung der Forderungen des göttlichen Judentums in allen religiösen, kulturellen und sozialen Fragen herbeiführt. Denn ist dies nicht der Fall, so trägt ein solcher Lehrer und Wortführer die ganze Schwere der Verantwortung für alles, was in solchen Gemeinden und Verbänden den Forderungen des göttlichen Judentums Hohn spricht- Aber, so fuhr der Redner in seiner Ansprache, mit der er den Hamburger Oberrabbiner in sein Amt einführte, fort: ״Lassei! Sie mich an einem einzigen Beispiel zeigen, wie unsere alten Weiser darüber denken. Das jüdische Volk war in Sünde geraten. Es hatte das goldene Kalb angefertigt. Von Scham und Schmerz und Zorn übermannt, verließ Mosche Rabbenu das jüdische Lager. ״Und Mosche nahm das Zelt und spannte es sich außerhalb des Lagers auf, fern vom Lager“. Dabei dachte er: ״Jeder, der Gott suchte, sollte hinausgehen in das Stiftszeit, das außerhalb des Lagers war“. Gott aber, so sagen die Weisen im Talmud, sprach zu Mosche: ״Wenn Gott zürnt und auch der Lehrer und Führer sich vom Volke abwTendet, Jisroel ma tehe alehem, was soll dann aus Israel werden, was soll dann werden aus den irrenden, suchenden und tastenden Menschen? Und Mosche sah seinen Irrtum ein und kehrte in das Lager zurück.“ Dieser Ausspruch ist so aufschlußreich, daß er keines erläuternden Wortes bedarf.“ Dieses köstliche Wort gehört anscheinend zu dem stehenden Repertoire dieses Lehrers und Wortführers des traditionellen Judentums, denn es ist nicht das erste Mal, daß er es ins Treffeil zu führen für angebracht hält. Umsomehr dürfte es angebracht sein, sich diesen beispiellosen Mißbrauch einer Thorastelle und ihrer Interpretation durch unsere Weisen zu vergegenwärtigen, der nur eine bibelunkundige Zuhörerschaft irre zu führen ver-