Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 234 (sequence 44)
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234 mag. Wahr ist an dieser Darstellung, daß das jüdische Volk in Sünde geraten, das goldene Kalb angefertigt, und -daß Mosche Rabbenu außerhalb des Lagers sein Zelt aufgeschlagen hatte. In dieser Darstellung ist freilich nur das bedeutendste Stück fortgelassen. Aber dafür wissen es die kleinen Sehulkinder: daß nämlich Mosche Rabbenu, kaum daß er in die Mitte seines verirrten Volkes getreten, das goldene Kalb zu Staub vernichtete, den Staub in das Wasser warf und es seinem Volke zu trinken gab und im Zeichen des ״wer Gottes ist, zu mir!“ den Kampf auf nahm mit allem, was dem traurigsten Wahn gehuldigt hatte, und nicht ruhte, bis Scham und Trauer sein ganzes Volk erfüllte. Dann, als er vor Gott um die Zukunft seines Volkes rang und diesem die unmittelbare Führung Gottes wieder erwirken, Gott aber zunächst Mosche die Führung überlassen wollte, hatte Mosche sein Zelt außerhalb des Lagers aufgeschlagen, ein Verhalten, das die Weisen mit den zitierten Worten kommentieren. Gibt, so fragen wir, Mosche (oder der Talmud) dem Lehrer mid Wortführer des traditionellen Judentums nach Vorbild des Redners das Recht, in einer Gemeinde zu verharren, in der das goldene Kalb des Abfalls von Gott und Gottes heiligern Gesetz Kanzel, Synagoge und Schule beherrscht und die dem Sinaigott, der beansprucht, in Jakobs Gemeinde den alleinigen Herrscherthron einzunehmen, nur einen geduldeten, bescheidenen Platz einräumt, ohne daß Scham und Zorn und Trauer sie zum Kampf gegen den Judentum verleugnenden Kult aufruft, der erst restlos beseitigt werden müßte, wenn ihr Verharren in der Gemeinde vom jüdischen Gewissen verantwortet werden soll?! Plätte, so fragen wir, Gott, hätten die Weisen des Talmuds Mosche die Rückkehr in ein Lager nahegelegt, in dem dem Stiftszelt der Gotteshuldigung nur ein geduldetes Plätzchen neben dem gleichbereeh־- tigte.n Kult des goldenen Kalbes gewährt werden sollte? Wahrlich, so traurig es ist, dieses Argument des Redners ״ist so aufschlußreich, daß es keines erläuternden Wortes bedarf.“ Es laasaus laschem!, meinte aber der Redner, ״jetzt ist's Zeit, und jetzt ist es eine besondere Gnade, für Gott und das Judentum zu wirken, jetzt brauchen wir Männer .... die erfüllt von den Ewigkeitswerten des Judentums, die, beherrscht von der Größe und Erhabenheit des Judentums, fernab von zweckhaften Zugeständnissen an taggeborene Notwendigkeiten, das Judentum in seiner Ganzheit und Unbedingtheit, in seinem.