Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 231 (sequence 41)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551412-2551416--2291-2553814- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
231 lieh kommt in ihnen das Rechtsgefühl einer eben erst zum neuen Leben erstandenen Nation zum Ausdruck. Aber von Gott ist in den offiziellen jüdischen Kundgebung gen keine Rede. Von Gott schweigen die Tageszeitungen. — Wie fremd mutet das alles an! Wie groß ist der Riß zwisehen diesem Judentum, Erez Jisroel und seiner öffentlichen Erscheinung und dem Judentum der Gola! Wie fern steht es dem währen Herrn des Landes! Seltsamer Widerstreit der Gefühle! Jeden Satz dieser Kundgebung möchte man unterschreiben, und dabei verkrampft sich das Herz vor Sehnsucht nach einem guten jüdischen Wort, das die Brücke schlägt zwischen Vergangenheit und Zukunft, verzehrt sich das Auge vor Begier, nur auf einen Moment die Werke nationaler Kraftbewußtheit lüften und das gute jüdische Antlitz schauen zu dürfen, dem die langen Jahrhunderte die Züge heroischen Gottvertrauens unauslöschbar eingeprägt haben. Es gibt die Araberfrage. Aber wahrhaftig, es gibt auch die J udenfrage. Sind wir wirklich schon so weit, daß wir der Hilfe Gottes auch nach menschlichem Kalkül, entraten könnten? Ist das werdende Erez Jisroel das Land, das Gottes Augenmerks nicht fortgesetzt bedarf? Sind wir heute schon stärker als einst das Reich der Söhne Ephrajims, das Reich der Söhne Judas? War nicht den Propheten unseres Volkes jedes verwüstete jüdische Feld, jeder Tropfer: vergossenen jüdischen Blutes im Lande Gottes ein furchtbar düsteres Mahnzeichen des Unwillens des wahren Herrn des Landes? Wo ist der Prophet, der Neu-Ephraim die bitterharte Wahrheit kündet und ihr die Herzen erschließt? Neu-Ephraim erläßt Manifest auf Manifest. Aber Mea-Schearim betet die Psalmen unseres Königs David. Die Araberfrage ist zugleich die — Judenfrage. Warum es verschweigen? Man braucht noch lange nicht ״gläubig“ zu sein, um sehen zu können, daß auf dem Wege natürlichen Geschehens alle Konstellationen — gegen uns sprechen. Es ist buchstäblich Wahrheit: können wir schon in der Gola des Schutzes Gottes nicht entraten. im werdenden Erez Jisroel können wir es erst recht nicht. Das werdende Erez Jisroel ist auf — Wunder Gottes gebaut. Die Araberfrage ist zugleich die - Judenfrage. Die Araberfrage ist in ihrer neuen Zuspitzung ein Weckruf