Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 225 (sequence 35)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2551369-2551412-2551416--2285-2553808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fetzen ins lodernde Feuer geworfen - Jirmejah aber hatte eine neue Rolle genommen und in fie die gleichen Worte verzeichnet, und dann hatte die Gefchichte eine graufige Sprache gefprodien — Wagen es Wahnwitzige aufs neue in unteren Tagen, dem Propheten dfe Megilla zu zerreiben? — Mögen fie zittern vor der Stunde, wo bittere Enttäufchung und ratender Schmerz fich wütend kehrt wider die Mächte, die bis dahin Denken und Wollen Gott gleich beherrfcht (Jef. 8), und der troftlos irre Blick hineinfiarri in die Not und in die Finfternis, in die alle Hoffnung jämmerlich verfinkt — Raufchende Metropolen, Kulturzentren voll taumelnder Luft - ״Siehe, eitel Wonne und Freude, Rinder töten, Schafe fchlachten, Fleifch effen und Wein trinken - laffei uns effen und trinken, denn morgen fterben wir doch!״ (Jef. 22) Diefes Bild war einmal traurige Wirklichkeit. Und der Prophet hatte fich in namenlofem Schmerz abgewandt: ״Ich mub bitterlich weinen, wollet mich nicht tröffen über das Verderben der Tochter meines Volkes — denn den Tag der Zerrüttung, des Niedertretens und der Verwirrung bereitet Gott Zebaoth — und aufruft Gott Zebaoth zum Weinen und Wehklagen, zum Haarausraufen und Sackumgürten — ״ Das war damals. Und heute? Belitz und Genubfucht machten in den Tagen des Propheten (Jef. 5) Erez Jibroel zum wilden Tummelplatz hemmungslofer Spekulation. Die erfchütternde Wehklage des Propheten verhallte ungehört und ging unter in dem Lärm der von Luft und Gier aufgewühlten Mafien. ״Wehe, die da Haus an Haus fügen, Feld an Feld nähern, bis kein Platz mehr da — feid ihr allein in die Welt gefetzt?" findet der Gotteswille nirgends Geltung? Statt ״Rechtsfpruch - Rechtsbruch", und wo Liebe die Menfchen vor Gott vereinen mübte, zeugt der Wehfchrei vergewaltigter Exiftenzen, dab Gottes Gefellfchaft bauendes Recht keinen Annehmer findet. Und fo raff der Taumel am Abgrund, der ״feinen Schlund grenzenlos aufgeriffen", um ״die Pracht und die Menge und die Luft zu verfchlingen" — Ist diefe traurige Vergangenheit für immer begraben, oder find vermeffene Kräfte am Werk, die den gewiffenlofen. Verfuch wagen, zu erproben, ob Prophetenwort noch Geltung befitzt? ״Trunkene Ephraims!״ ״Vom Weine bewältigt — " (Jef. 28), taumelnd von Gier zu Gier, die fahle Stirn mit ״welker Blume" bekränzt - ״alle Tifche von Schmutz und Auswurf befudelt, kein reiner Platz mehr —" gräblich das Lallen der Trunkenen — wer