Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 226 (sequence 36)
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möchte fich unterfangen, zu ihnen zu reden! Der Prophet verfudht’s, fpricht ihnen von Gottes Thauro und reicht ihnen den Gotteswillen: ״Hier winkt euch die Ruhe, hier die Seligkeit!— ״ ״Sind der Muttermilch längft entwöhnt, der Mutterbruft längst entrückt find keine Kinder mehr, die Ammenmärchen lockten und feffelten — diefe Thora Seligkeit und Beglückung? Nichts als ״Satzung für Saizung, Richtfchnur für Richtfchnur, Kleinigkeit hier, Kleinigkeit dort״— und trunkenes Hohngelächter begleitet trunkenes Geftammel — Aus der Ferne aber zieht der Sturm herauf ״wie ein Hagelftrom der Todesfturm, die Flut mächtiger, alles hinwegfchwemmender Waffer״, denen diefe Trunkenen und Entwurzelten in kläglicher Ohnmacht erliegen. - Über die Berge Schomrons aber lenkt fich finitere Nacht, die üppigen Überflub in Öde und Leere wandelt - Prophetenauge aber durdidringt Zeitenferne. Ein ״junger Morgen tagt auf den Bergen Schomrons" (Jer. 31). Heimkehr! Die Entfremdeten, Verfchollenen finden den Weg heimwärts ״in grober Gemeinde kehren fie heim". Sind in die Irre gegangen und haben in der Fremde nur fchmerzlichfte Eniiäufchung erlebt. Nun wiffen fie, wo allein Ruhe und Glück ihnen winkt. Nun führt der Weg fie ״an Wafferbächen entlang, auf gradem Weg, auf dem fie nicht mehr ffraucheln." - Und fie kommen heim. Schomrons wieder aufblühender Segen empfängt fie - aber der feffelt fie nicht — ach, das war ja traurigfter Wahn der Vergangenheit, der ihnen das Grab gegraben, die Vergangenheit aber fall tot fein und nicht mehr ihren Jammer erneuern - ״Über Getreide, Moft und Öl und Herdenfülle zieht es fie hin zum Guten Gottes", zu jenem Gut, das nur Gottes Nähe ihnen gewährt, und ״auf Zions Höhen finden fie den Jubel, dort ihre Seele reiche Sättigung", dort jene Freudigkeit und Seligkeit, die alles leidvolle Weh für immer verbannt - Darf die Heimkehr unferer Tage an folchen Ausblicken fich meffen? Oder findet gar die herzzerreibende Klage von Mutter Rachel (daf,), ihr bitterliches Weinen, das ihren verlorenen Kindern gilt, nur frifche Nahrung? — Nicht auszudenken der Jammer und die Schmach! Die Mutter horcht auf in ihrem namenlofen Schmerz - aus der Ferne tönen Stimmen - Sind's ihre Kinder, die verlorenen, frierenden, die es nach der Mutter, nach des Vaters Nähe heimwärts zieht? ״Lab mich heim, denn ich will heim, denn du, o Gott, bift wieder mein Gott!" ״Ich habe mich zurückgefunden mit einem Herzen voll Reue, und denke ich an Vergan-