Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 220 (sequence 30)
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220 Den heiligen Boden lieht er gefchändet, in ein grä&liches Leichenfeld verwandelt - Die mit Blindheit Gefchlagenen aber wollen es nicht wahr haben und fchütteln Prophetenmahnung als törichtes Gerede von fich ab: ״Entfernt euch nur von Gott, uns bleibt das Land, zum Erbbeiitz gegeben!" (Jech. 11) - Aber auch, nachdem die Gefchichie ihre erfchütternde Sprache gefprochen, Geht er die llnfeligen auf den Trümmern ihrer Heimat den Traum ihrer ftaatlichen Selbftändigkeit träumen, den fie durch eigene Kraft verwirklichen zu können wähnen: ״Ein einziger war Awrohom, und er nahm das Land in Belitz — da find wir immer noch zahlreich, uns ift ift das Land zum Erbbeiitz gegeben!״ — Worauf der Prophet: ״So hat mein Herr Gott gefprochen: Beim Blute effet ihr, und euer Auge erhebet ihr zu eueren Greueln - und das Land wollt ihr in Belitz nehmen? Ihr ftützet euch auf euer Schwert und begehet Abfcheulichkeiten - und das Land wollt ihr in Belitz nehmen?" (Jech. 33) — Die ihr heimkehret, lagt euch diefes Prophetenwort nichts? ״Ich habe meinem Volke Israel Stätte bereitet, habe es eingepflanzi, dafe es an feiner Stätte ruhig wohne und nimmer zu zittern braucht" (S. 117) — daraus fpricht ernfte, grobe göttliche Mahnung von ewiger Gültigkeit. Diefes Volk kann lieh nirgends und zu keiner Zeit auf eigene Kraft die Stätte bereiten, ruhelos und heimatlos irrt es durch die Welt, die für es keinen Raum hat. Eine alte Wahrheit, das Meereslied hat fie als Wiegenlied diefem Volke gelungen: ״Du bringeft fie heim und pflanzeft fie ein - " (Ex. 15) Und Molches in Zeitenferne fchauendes Warnwort fpricht: ״Uud unter diefen Völkern wirft du keine Ruhe finden, wird keine Ruheftätte fein für den Ballen deines Fußes" (Deut. 5&). Propheten haben diefem Lande den Namen gegeben - doch nein, haben doch Propheten überall und fo auch hier nur aus Thauro gefchöpft. Gott aber hatte gefpochen: ״Denn mein ift das Land, Fremde und Beifaffen feid ihr bei mir (Lev. 25)", denen in jedem Augenblick der Gotteswille das Bewufctfein der Gotthörigkeit lebendig erhalten wollte. Das verleiht auch dem Land den eigenen Namen. Paläftina - das Land der Philifter, das ift ein römifcher Schmähname, mit dem der Römer das Andenken, daß je ein jüdifches Land, ein jüdifcher Staat gewefen, aus der Gefchichte löfchen zu können glaubte. Propheten haben freilich ein noch fürchterlicheres Wort geprägt. In das ״Land der Kenani" (Ex. 13) hatte Gott fein Volk geführt, daß es diefes entheiligte Land in Gottesland wandle.