Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 217 (sequence 27)
- Belongs to
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217 gebot gelockt wird, ich vertraue auf die deutsch-jüdische Jugend, daß ihr auf die Dauer ein äußerlicher Nationalismus nicht genügt, daß in ihr die Sehnsucht nach jüdischen Werten lebendig wird und daß sie erkennt, daß die Früchte nur da zu pflücken, sind, wo eben Agudas Jisroel sich befindet, da. wo aus metaphysischen Wurzeln die Einheit des jüdischen Gottes und des jüdischen Volkes erwächst. Voraussetzung aber dafür, daß der Agudismus in Deutschland seine Werbekraft ausübe, Voraussetzung dafür ist, daß wir selber an uns arbeiten, daß wir vor allem an uns selber nicht unsicher werden. Ich glaube, daß es eine der Aufgaben dieser Tagung wird sein müssen, Klarheit über den Weg zu schaffen, den die agudistischen Menschen Deutschlands heute geistig zu gehen haben. Daß es Angelegenheit der agudistischen L. O. sein muß, den deutschen Juden im Rahmen der wirtschaftlichen Gesetzgebung zu helfen, versteht sich von selbst. Auch darüber werden wir Rechenschaft erhalten. Aber die große Mehrzahl der Juden Deutschlands wird hier in Deutschland bleiben. Und es ist Aufgabe des Agudismus, an der Gestaltung des deutschjüdischen Antlitzes zu arbeiten. Wie sollen die deutschen Juden in Zukunft aussehen? Haben wir unsere bisherigen Grundsätze, unsere Anschauungen, die uns unsere Heimgegangenen gelehrt haben, haben wir sie irgendwie zu berichtigen, haben wir die bisherigen Wege zu verlassen, neue zu beschreiten? Ist es wahr, daß wir uns zu flüchten haben zu metaphysischen Geheimnissen, zur Kabbala, ist es wahr, daß wir uns zu verabschieden haben von dem Leben ringsum, daß wir uns zu viel getan, wenn wir unsere Jugend lebenstüchtig machten: das haben wir zu untersuchen, und wir verlangen — ich meine damit die Jugend —, daß unsere rabbinischen Autoritäten klare und deutliche Worte sprechen, daß sie nicht nur ein Schlagwort über die deutschjüdischen Gaue ergehen lassen, mit dem nicht viel anzufangen ist. Wir wollen wissen, was ist Thauro Umussar? Wir wollen von unseren Führern hören, zu was veranlaßt uns dieser Weg? Ist es an der Zeit, daß die deutsch-jüdische Jugend heute sich ins Kämmerlein setzt und etwa sich in die Urgründe alles Seins vertieft: ist das der Weg, ist er es nicht? Wir wollen es klar und deutlich hören! Wie stehen unsere Führer zu Thauro im derech erez? Ist das eine überholte Angelegenheit? Wir wollen aus dem Promenadengeschwätz herauskommen! Wir wollen klare und deutliche Sätze haben; wir sind stark genug, um die Wahr-