Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VI (5696) 1935/36
- Issue
- Heft 7-9 (April 1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 215 (sequence 25)
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keit die Verschiedenheit der Wege, die Verschiedenheit der Grundsätze. Weil wir uns für die liberalen Juden genau so verantwortlich fühlen wie für uns selber, darum können wir nicht in einem Verbände sein, der durch seine Existenz den täuschenden Schein erregt, daß die Thora nur für uns verpflichtend sei, jene aber die Verpflichtung nicht mehr dazu haben, jene im Sinne der Thora keine Pauschim (auf deutsch: Sünder) sind, sondern gleichberechtigt mit uns. Wie kommen wir dazu, unseren liberalen Brüdern die Schmach anzutun, sie von ihren Be- Ziehungen zur Thora zu pattern? Sie sind der Thora genau so nahe wie wir. Ob sie wollen oder nicht! Den Weg, der den Liberalen den Freibrief gibt für ihr sündhaftes Leben, diesen Weg können und wollen wir nicht gehen, und von den Organisationen, die diesen Weg innehalten, haben wir uns freilich getrennt, aber nicht von den Menschen. So wie die Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. niemals die Pausche Jisroel aus ihren Reihen ausgeschlossen hat, vielmehr nach ihrer Satzung Mitglied sein kann jeder von einer jüdischen Mutter Geborene, an dessen Fleische die Beschneidung vorgenommen wurde, so er ein Männlicher ist, und der in keiner verbotenen Ehe. also etwa einer Mischehe lebt, im übrigen aber jeder von einer jüdischen Mutter Geborene in der Kehillo mit all seinen Unfertigkeiten, Sündhaftigkeiten verbleiben kann, so ist es eine Tatsache und eine Wahrheit, daß wir alles daran, setzen müssen, unseren verirrten jüdischen Brüdern zu helfen, und die Zeit dazu ist heute da. Wenn heute der Agudismus sich nicht ermannt, wenn heute der Agudismus nicht den ernsthaften und nachhaltigen Versuch macht, Einfluß zu gewinnen auf unsere verirrten Brüder, dann müßte ich verzweifeln an dem eigenen Ernst der Ueberzeugung, den wir selber haben. Weiß denn die L. O., wie es heute bei unseren liberalen Brüdern aussieht? Weiß sie, wie diese Herzen erfüllt sind von Trostlosigkeit, von Verzweiflung, wie sie übervoll sind von der Bitternis des Daseins, wie sie leiden und leiden und nicht wissen, wofür sie leiden? Weiß die L. O., wie sich diesen unseren armen, armen Brüdern anbietet der Zionismus, um ihnen zu helfen, um ihnen jüdische Kultur zu bringen? Nun denn, wie sieht denn diese jüdische Kultur aus, frage ich? Wenn sie so aussieht, wie die jüdische Kultur, die etwa in Erez Jisroel die große Mehrzahl der unter der Histadruth stehenden Schulen vermittelt, so sage ich, was nicht deutsch ist, ist deshalb allein noch lange nicht jüdisch. Ich